Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1915
- Date
- 1915-01-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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- 13 — III. Chronik der Schule. Das Schuljahr begann am 21. April 1914 und schliesst am 23. März 1915. Zum Beginn des Jahres trat Fräulein Elfriede Weinstein, die im Februar 1914 die Prüfung pro fac. doc. in Marburg abgelegt hatte, zunächst als wissenschaftliche Hilfslehrerin in das Kollegium ein. Nachdem ihr durch Anrechnung ihrer früheren Unterrichtstätigkeit das Seminar- und Probejahr laut Verfügung des Herrn Ministers erlassen worden war, wurde sie zum 1. Januar 1915 als Oberlehrerin an den Unterrichtsanstalten der Israelitischen Religionsgesellschaft angestellt, sodass jetzt die letzte Bedingung, die an die Anerkennung des Lyzeums und Oberlyzeums im Sinne des Gesetzes vom 1. August 1908 geknüpft war, erfüllt ist. Gleichfalls zu Beginn des Schuljahres wurde Herr Dr. Meier Cahn aus Fulda, nachdem er 1913/14 an der Wiesbadener Oberrealschule das Seminärjahr abgelegt hatte, der Anstalt als Proband überwiesen. Schon kurze Zeit nach Ostern trat im Schulbetrieb eine beträchtliche Störung ein. Eine Masernerkrankung, die schnell um sich griff, war erst in den unteren Klassen aufgetreten und hatte in mancher von ihnen über 50°/0 der Schüler ergriffen. Zuerst ordnete der Königl. Kreisarzt die Schliessung der Vorschulen an, als sich dann zeigte, dass auch die oberen Klassen nicht verschont blieben, wurde die Schliessung der ganzen Anstalt auf 12 weitere Tage verfügt. Da sich nun auch die Pfingstferien an diese Unterbrechung anschlössen, konnte der Unterricht nachher wenigstens wieder in vollem Masse aufgenommen werden. Es waren allerdings nur wenige Wochen bis zu den Sommerferien, die vom 3. Juli bis 5. August dauerten. Dass auch unsere Anstalt von da an unter dem Eindruck und dem Einfluss des Krieges stand, ist eigentlich zu sagen überflüssig. Allerdings konnten wir den Unterricht im grossen und ganzen durchführen, da von unserem Kollegium nur unser Turnlehrer, Herr Braun und ausserdem Herr Dr. Gantter eingezogen waren — die Kollegen sind alle bis auf einen schon zum Landsturm übergetreten und erst im Januar und Februar von neuem gemustert. — Von unseren gegenwärtigen Schülern kam natürlich niemand in Betracht, der sich als Kriegsfreiwilliger hätte melden können. Es sind im ganzen von unseren deutschen Schülern nur 6, die das 16. Lebensjahr überschritten haben. Aber wenn auch Schüler und Lehrer Kaiser und Reich nicht im Felde dienen konnten, so war es auch eines jeden innigster Wunsch, sich wenigstens in etwas zu betätigen, um auch seinerseits dem Vaterland in dieser grossen Zeit etwas zu leisten. Da war keiner, der sein Scherflein nicht beigetragen hätte, wenn allwöchentlich für die Zwecke der allgemeinen Kriegsfürsorge gesammelt wurde, da flössen die Liebesgaben, die sonst noch geschickt wurden, von allen Seiten aufs. reichlichste, und da arbeiteten unsere jungen Mädchen zuhause und in der Schule unaufhörlich, um für die