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Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main · 1915-01-01 · 1915 · page 14

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Journal
Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
Volume
1915
Date
1915-01-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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IRI
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— 14 — durch den Krieg betroffenen Angehörigen unserer Soldaten und für unsere Krieger selbst, die im Felde stehen, an Kleidungsstücken anzufertigen, was sie nur eben konnten. Selbst in den Pausen -wollten die meisten sich von ihrem Strickstrumpf oder ihrer Häkelarbeit nicht trennen. Für die Tage kurz nach Chanukah hatte sich die 3. Mädchenklasse des Lyzeums die Erlaubnis erbeten, statt der Tanzstunde, die in sonstigen Jahren für die Klasse gestattet wäre, ein patriotisches Fest abzuhalten, dessen Reinertrag den durch den Krieg geschädigten Provinzen Elsass-Lothringen und Ostpreussen zugute kommen sollte. . Dank den eifrigen Bemühungen der Damen Fräulein E. Weinstein, die selbst für ihre Klasse ein Festspiel geschrieben und eingeübt hatte, Fräulein H. Isay und Fräulein J. Katz und der Herren Widmann und Reich, nahm das Fest einen würdigen Verlauf und brachte einen überschuss ,von mehr als 1100 M., die alsbald ihrer Bestimmung zugeführt wurden. In den letzten Wochen des Jahres bemühten sich die Schüler und Schülerinnen der Anstalt, die entsprechend der Verfügung des Herrn Ministers dazu aufgefordert waren, um eine Groldsammlung, die 41000 M. brachte. Jede freie Minute benutzten sie, um überall zu Bekannten und Nichtbekannten, in der Stadt und auf den kleinen Orten in der Nähe zu gehen, und Gold gegen Papiergeld zu tauschen. Es war eine Freude zu sehen, wie schon die Kleinen begriffen, um was es sich handelt, und eine noch grössere Freude zu beobachten, wie die Kleinsten, die das noch nicht verstehen konnten, nur in dem Gedanken, dass es gälte, etwas für das Vaterland zu tun, sich an der Sammelarbeit beteiligten, soweit sie es vermochten. Es ist überhaupt eine erfreuliche Erscheinung, die der Krieg gezeitigt, dass das Bewusstsein der Verantwortlichkeit des Einzelnen der Gesamtheit gegenüber auch in den Herzen unserer Jugend wieder stärker erwacht ist, die sich in den letzten Jährzehnten mehr gewöhnt hatte, für sich zu fordern als zu leisten und durch ihre, ihren jugendlichen Kräften entsprechende Leistung sich für die grossen Aufgaben vorzubereiten, die ihrer später der Gesamtheit gegenüber harrten. Man konnte das schon in den ersten Kriegstagen beobachten. Schon die verständnisvollen Gesichter der Kinder am Tage des Wiederbeginns des Unterrichts bei der Ansprache, die ihnen den Ernst der Zeiten und die Pflichten, die einem jeden einzelnen von ihnen aus ihm erwüchsen, vor Augen führte, schon die feierliche, würdige Stimmung, die in den ersten Tagen nach Kriegsausbruch in der Schule herrschte, bewies, dass die Schüler und Schülerinnen die Bedeutung des grossen Ereignisses, das so plötzlich in unser Leben getreten, recht begriffen hatten, und dass ihr Drang nach Betätigung, der sich bald zeigte, nicht der Sucht entsprang, sich vor anderen hervorzutun, sondern ein wirkliches Bedürfnis war, etwas zu leisten. Es waren nicht die Arbeiten, bei denen man sich durch Armbinden und Abzeichen bemerkbar machen konnte, die sie übernehmen wollten, ihr Wunsch war, bei den Erntearbeiten tätig zu sein, und als sich zeigte, dass man es vorzog, die Stadtkinder von solcher, ihnen fremder Beschäftigung fern zu halten, da ergriffen sie mit Freude die Gelegenheit, die sich ihnen bot, unter Aufsicht ihrer Lehrer grosse Gelände, die mit Gemüse bestellt werden sollten, umzugraben, wenn sie auch dieser Arbeit gänzlich ungewohnt waren. Vierzehn Tage lang war der grösste Teil der Prima und viele Schüler der Sekunda täglich 6—7 Stunden damit beschäftigt, und sie oblagen mit Eifer der Arbeit, die sie übernommen hatten. Die dem Unterricht, entzogene Zeit stellte nachher

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