Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 2 (1929-1930)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1930)
- Date
- 1930-02-01
- Page
- – (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3497353-3497361-3497366--445-3526055- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
durch eine der Wirklichkeit voll zugewandte Haltung angezogen werden können. Die gesellschaftlichen Fragen, insbesondere Fragen des Schulkampfes und des Sozialismus, stehen dabei im Vordergrund. Gerade auch in der Auseinandersetzung mit dem Sozialismus ist unserer gesonderten Situation als Juden Rechnung zu tragen. Der Erfassung der Schulentlassenen steht in psychologischer Hinsicht einmal die Tatsache entgegen, daß die Lebensform der Jugendbewegung ein Verharren im Zustande des Jungseins bedeutet, das gerade demjenigen Jugendlichen nicht gemäß ist, der durch seinen Eintritt in den Beruf sich bewußt in die Welt -der Erwachsenen stellt. 2. Pflegerische Schutzaufsichten. Die Schwierigkeiten der pädagogischen Schutzaufsicht, die «besonders große pädagogische und menschliche Erfahrung und viel Zeit für den Schützling erfordert, werden verringert durch die ipflegerische Schutzaufsicht. Die pflegerische Schutzaufsicht verlangt von dem Helfer nur die Sorge für die Regelung der äußeren Lebensbeziehungen (Sorge für Wohnung, Kleidung, Arbeitsverhältnis, Hilfe bei der Ueberwindung von Schwierigkeiten des Alltags). Die pädagogische Einordnung soll dabei in Jugend- oder Berufsgruppen erfolgen. 3. Hilfe für isolierte Anstaltskinder. Selbst in den bestgeführten Anstalten empfindet das Kind einen Mangel an Liebesbeziehungen, die es mit einem einzelnen Erwachsenen verbindet. Es ist daher zu erstreben, daß möglichst jedes derart isolierte Kind durch regelmäßige Besuche in Verbindung mit einzelnen älteren Menschen, die nicht im Anstaltsleben stehen, gebracht wird. Aeltere Menschen aus der Jugendbewegung erscheinen für diese Aufgabe sehr geeignet. 4. Alters- und Jugendhilfe der Jugendbewegung. Die soziale Arbeit der Jugendbewegung wird in der Regel eine Aufgabe einzelner Aelterer sein. Als Aufgaben, die auch für Jüngere und Mittlere sich bewährt haben, kommen in Frage: Besuch von Altersheimen und einzelnen Alten, Erledigung von Besorgungen für diese; Sonderbeschäftigung mit einzelnen Kindern in bedürftigen Familien und Kinderhorten. Das Kennenlernen der Lebensverhältnisse und Notstände anderer Schichten der jüdischen Bevölkerung hat auch für die Jugendlichen selbst einen starken bildenden und erzieherischen Wert. DIE VEREINIGUNG DER BEIDEN GROSSEN PALÄSTINENSISCHEN ARBEITERPARTEIEN. In Erez Israel haben sich in den ersten Tagen des Januar 1930 die beiden großen Arbeiterparteien »Achduth Haavodah« (die verbunden ist mit den Poale-Zion-Parteien in der Diaspora) und »Hapoel Hazair« (verbunden mit den Hitachduth-Parteien in 'der Diaspora) zu einer großen Partei, der Arbeiter-Partei in Erez Israel, vereinigt. Seelische Hemmungen, Partei-Traditionen, Formulierungen und alle äußeren Hindernisse wurden überwunden angesichts des einen großen Gebots der Stunde, die eines zunächst fordert: Zusammenschluß aller am isozialistischnzionistischen Auflbau Erez Israels Mitarbeitenden, Stärkung der inneren Front zur Aufnahme neuer arbeitsbereiter Kräfte, zur Inangriffnahme des wahren Aufbauwerkes in den Ausmaßen einer Volksbewegung. Immer tendierten die in der Verwirklichung stehenden Kräfte 'zur Vereinigung, niemals räumten sie einer starren Ideologie das Recht ein, die mächtige Gegenwart, die Wirklichkeit zu vergewaltigen. So ist die heutige Vereinigung ein vorläufiger Albschluß einer langen historischen Entwicklung, ein vorläufiger, weil es noch immer soziailistisch-izionistische Kräfte gibt, die für die Vereinigung innerlich noch nicht reif waren, die draußen geblieben sind. Doch auch sie werden kommen und sich einreihen in die Zusammenfassung und Stärkung aller Kräfte, für die der sozialistisch-zionistische Aufbau nicht Deklaration, sondern innerste Notwendigkeit ihres Lebens bedeutet. Werden die zionistischen Arbeiterparteien in der Diaspora den Ruf verstehen, der an sie aus Erez Israel 38