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Der junge Jude · 1930-02-01 · Heft 6 (Februar 1930) · page 39

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Journal
Der junge Jude
Volume
2 (1929-1930)
Issue
Heft 6 (Februar 1930)
Date
1930-02-01
Page
– (sequence 39)
Language
German
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wurde, daß von -keinem besonders gewollt, plötzlich ein einheitlicher, auf konkrete Dinge gerichteter Jugendwille entstand. Die innere Verbindung, die zwischen den Teilnehmern der ersten Woche des Reichsausschusses entstanden war, hat sich das ganze Jahr über bewährt. Es war kein organisatorischer Zusammenhang, der die Menschen zusammenhielt, sondern eher eine »Erlebnisgemeinschaft«, die dann immer wieder lebendig wurde, wenn Menschen dieses Kreises einander begegneten oder Beschlüsse durchzuführen waren, die dem »Geiste von Seesen« entsprachen. Wir gingen deshalb mit starken Hemmungen daran, ein zweites Mal in Seesen zusammenzukommen. Wir waren sicher, daß die Ergebnisse des ersten Males nicht wiederholbar waren. Deshalb wurde von vornherein der Plan der Tagung so festgestellt, daß eine »Konkurrenz« mit der ersten Tagung schon wegen der Verschiedenheit der behandelten Gegenstände von selbst unmöglich wurde. .So wurde denn smch die -zweite Tagung durch die Menschen, die an ihr teilnahmen und durch den behandelten .Stoff wesentlich anders als das erste Mal. Teilweise ging es darum, die »Bewegung«, die das erste Mal entstanden war, an einen neuen 'Kreis junger Menschen heranzubringen. Man kann sagen, daß dies Ergebnis erreicht worden ist, wenn es dabei auch viel stärker a>uf bewußte Gestaltung als auf spontanen Zusammenschluß ankam. Ins Neue wies die Tagung dadurch, daß zum ersten Male auch Aussprachen und Referate über Kulturarbeit und iSiedlungsarbeit in Palästina und Rußland gehalten wurden. Wenn hier Dr. Eli Münk, der Vertreter der Agudas Jisroel Jugendorganisation, und Hermann Gerson von den »(Kameraden« über denselben Gegenstand sprachen und die Diskussion dann die Uebereinstimmungen und Differenzen der einzelnen Meinungen so scharf herausarbeiten konnte, daß man genau wußte, was hindet und was trennt, so ist dies ein in der Geschichte der jüdischen Jugendbewegung Deutschlands wichtiges Ereignis. Wenn spontan aus der Teilnehmerschatft der Tagung und insbesondere aus den jüngeren Teilnehmern der Wunsch entstand und sogleich verwirklicht wurde, über den Zusammenhang der Proletarisierungstendenz der Juden mit der Assimilation zu sprechen, so beweist dies auch die innere Freiheit und Offenheit den Menschen und den Problemen gegenüber. Wichtige Feststellungen aus der die sozialen Fragen betreffenden Aussprache sind in den nachstehenden »Ergebnissen« .festgehalten. Ergebnisse. 1. iStancl der Organisierung der jüdischen Jugend. Zuverlässiges statistisches Material über die zahlenmäßige Erfassung der jüdischen Jugend in Jugendbünden und Sportverbänden besteht nicht. Nach ungefähren Schätzungen erscheint nicht einmal die Hälfte der jüdischen Jugend erfaßt. Die Gründe hiefür sind soziologischer und psychologischer Art. In soziologischer Hinsicht schließt die Milieubestimmtheit der jüdischen Jugendbewegung besonders die proletarisierten Schichten von der Erfassung aus. Hinzu kommt der Mangel an Freizeit und die Konzentrierung auf Berufsinteressen, die einer Erfassung entgegenstehen. Jugendheime und pflegerische Jugendgruppen, die in erster Linie bewahrenden und geselligen Charakter haben, können diesen Schwierigkeiten zum Teil begegnen. Dabei muß immer wieder versucht werden, den Zugang zum geistigen Leben und Bindungen an jüdische Werte zu erreichen. In psychologischer Hinsicht ist festzustellen, daß die Jugendbünde von der Jugend der höheren Schulen im wesentlichen nur diejenigen erfassen, deren seelische Situation und deren Stellung im Elternhaus dieser Erfassung entgegenkommen (»prachtvolle Jungens und Mädels«). Die Erfassung der schwerer zugänglichen, in komplizierteren Gesamtsituationen befindlichen Jugendlichen könnte ermöglicht werden durch vermehrte pädagogische und psychologische Erkenntnisse der Führer. Bei allen Erfassungsversuchen ist darauf Bedacht zu nehmen, daß die besonders Aktiven nur 37

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