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Der junge Jude · 1930-02-01 · Heft 1 (Februar 1930) · page 35

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Journal
Der junge Jude
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 1 (Februar 1930)
Date
1930-02-01
Page
– (sequence 35)
Language
German
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PALÄSTINA-UMSCHAU DIE JÜDISCHE WIRTSCHAFT NACH DEN EREIGNISSEN. Die Ereignisse haben 'aufs neue von der jüdischen Wirtschaft des Landes Bewährung gefordert. Mit voller Sicherheit können wir heute sagen, daß die Befürchtungen nicht eingetroffen sind, daß sich unsere Wirtschaft bewährt hat. lim Laufe der drei Monate nach den Ereignissen September-November haben 500 Juden das L-and verlassen, ebensoviele wie im Laufe der vorhergegangenen drei Monate Juni- August. Es gab also keine Panik, keine Auswanderung infolge der Ereignisse. (Dagegen sind seit den Ereignissen 2300 neue Einwanderer ins Land gekommen (ohne die Hunderte von Rücikkehrenden). Das ganze Jahr 1929 brachte uns eine Einwanderung von 5000, wenn wir davon die Auswanderung abrechnen, bleibt ein Ueberschuß von 3250. Zusammen mit dem natürlichen Zuwachs wuchs der Jischuw in diesem Jahre um 7250 Seelen- Wichtig ist die Feststellung, daß die Einwanderung der letzten Monate nicht nur Mitglieder des Hechaluz, sondern eine beträchtliche Anzahl von Verwandten und Familien aus dem Mittelstand umfaßte. Die Ereignisse haben die Anziehungskraft von Erez Israel für die Juden nicht verringert. Nicht nur Tausende von Chaluzim sehen der ersten Möglichkeit ihrer Ali j ah in das Land entgegen, in weiten Kreisen des Volkes wartet man ebenso darauf. Der jüdische Jiischuw im Lande wandelte sich in eine wirtschaftliche Kraft, die eine natürliche Erweiterung fordert. Die bedeutenden wirts chaftlichefn Errungenschaften der letzten Jahre, die vielen Möglichkeiten, die isich infolgedessen gezeigt haben — sie .sind die Grundlagen der wirklichen Verwurzelung im Lande. Die Tausende von neuen Einwanderern waren i n wenigen Tagen eingereiht in produktive Arbeit, und es ist klar, daß heute begründete Aussicht ibesteht, weitere Tausende in sicheren Wirtschaftszweigen unterzubringen. Sehen wir uns die einzelnen Wirtschaftszweige im Lande an: In der jüdischen PflanZwangswirtschaft stehen 13.000 Dunam neuer Anpflanzungen in diesem Jahre bevor. Es ist dies nicht weniger als die Anpflanzungen im vergangenen Jahre. Die neuen Anpflanzungen bedeuten eine neue Investierung von 300.000 Pfamd. Ein wichtiger Faktor der Sicherheit für diese neuen Anpflanzungen bedeutet das Angebot großer englischer Versicherungs-Gesellschaften, die Orangengärten für kleine Prämien gegen Schäden aus Unruhen izu versichern. Die Arbeit in den bisherigen K o- 1 o n i e n wird ohne jede Störung fortgesetzt. Im Vergleich zu Anfang des Jahres 1929 hat die Zahl der jüdischen Arbeiter in den Kolonien um 2000 izugenommen und beträgt heute 8500. In Verlbindung mit den neuen Anpflanzungen werden diese Kolonien weitere 1500 Arbeiter aufnehmen können. Wie ist die Lage der Industrie, gegen die sich vor allem der Boykott der Hetzer richtete? Wir können heute feststellen, daß es trotz des drei Monate währenden Boykottes nicht gelungen ist, die jüdische Industrie irgendwie zu erschüttern. Aegypten hat nicht aufgehört, jüdische Waren aus Erez Israel zu beziehen, in den übrigen Ländern war ein kleiner Rückgang in der Nachfrage spürbar, doch in nicht wesentlichem Grade. Die Zementfabrik »Nescher« und die Oel- und Seifenfabrik »Schemen« in Haifa blieben von den Ereignissen fast unberührt. Viele kleinere Fabriken in Haifa arbeiten in drei Schichten. Mangel an guten Facharbeitern ist fühlbar; die Zahl der beschäftigten Arbeiter wächst von Monat zu Monat. In Tel Aviv erlitten einige Wenkstätten (der Weberei, Strickerei, Holzarbeiten und Metallwerkslätten), die für den arabischen Markt arbeiten, durch den Boykott 35

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