Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 1 (Februar 1930)
- Date
- 1930-02-01
- Page
- – (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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gewissen Schaden. Doch beschäftigen diese Werkstätten im ganzen 250—300 Arbeiter von den insgesamt 2800 in Tel Aviv in Handwerk und Industrie beschäftigten Arbeitern, sc daß der Schaden an der gesamten Industrie relativ nicht groß ist. Wenn die Regierung der offenen, gewaltsamen Propaganda des Boykottes Einhalt gebieten würde, so wird der Boykott und seine Folgen von selbst aufhören. Vorerst macht die Verstärkung der jüdischen Kaufkraft und die organisierte Kreditlinie an die betroffenen Werkstätten die Schäden geringer. In Jerusalem ist die jüdische Industrie fast ganz an den jüdischen Markt gebunden, so daß hier der Boykott fast völlig wirkungslos blieb. Auf dem Gebiete des Bauens und der öffentlichen Arbeiten, auf dem in Jerusalem wegen der Unsicherheit eine Unterbrechung erfolgte, ist in allen Vororten die Arbeit erneut -aufgenommen worden. In Jerusalem allein arbeiten heute mehr als 1000 jüdische Arbeiter im Bauhandwerk. Für die Anlage der neuen Straßen und Wege mußte das izentrale Arbeitsbureau Arbeiter aus den Kolonien mobilisieren, weil sich in den Städten die nötige Zahl der Arbeiter nicht fand. In der nächsten Zeit stehen wir vor folgenden neuen Arbeiten: PJCA hat aufs neue beschlossen, die Bewässerungs-, Austrocknungs- und Pflanzungsarlbeiten in Schomron und im Oberen «und Unteren Galiläa auszuführen. Diese Arbeiten werden einige hundert Menschen beschäftigen. Die Salzfabrik vergrößert ihre Arbeit. Der große Hotelbau in Jerusalem, an dem heute 170 jüdische Arbeiter beschäftigt sind, wird in der nächsten Zeit eine weit größere Zahl von Arbeitern aufnehmen. Durch die hypothekarischen Anleihen des Jewish Economieal Board steht der Bau von 2—300 Wohnhäusern in den Kolonien bevor. Wenn die Verwendungspläne der Summen aus den Hilfsgeldern geklärt sein werden, so werden auch sie ein Antrieb zu neuen wirtschaftlichen Unternehmungen sein. Die Regierung wird in diesem Jahie eine Million Pfund für öffentliche Arbeiten, für den Hafenbau, für Eisenbahnwerkstätten in Haifa,, für die Fortsetzung des archäologischen Museum-Baues in Jerusalem usw. aufwenden. Diese Ziffer bezeugt, wie sehr die jüdische Kolonisation befruchtend auf die wirtschaftliche Entwicklung des Landes gewirkt hat. Während die türkische Regierung aus ihren Steuer-Einkünften Arbeiten für nicht einmal einige Zehntausende Pfund ausführen konnte, ist es der Mandatsverwaltung nach zehn Jahren schon möglich, in einem Etat-Jahr für mehr als eine Million Pfund öffentliche Arbeiten (inklusive des Hafenbaues) zu unternehmen. Die Schätzung der Regierungs-Einnahmen für dieses Jahr hat sich voll bewährt. Die Einnahmen von Januar bis September 1929 betrugen 1,647.508.— Pf. gegenüber 1,495.627.— in der gleichen Periode des vorigen Jahres. Die Durchsetzung des gerechten jüdischen Anteiles an diesen Arbeiten der Regierung ist in unserer politischen Arbeit ein Faktor ersten Ranges. All die Ziffern über die jüdische Wirtschaft des Landes zeigen uns, wie unbegründet die Panikstimmung und die Passivität gewisser zionistischer Kreise nach den Ereignissen ist. Die Sorge um das lebendige und sich entwickelnde Erez Israel, das eine breite wirtschaftliche Tätigkeit zur Ausnutzung aller gebotenen Möglichkeiten fordert, ist offenbar zurückgetreten vor der Beschäftigung mit komplizierten politischen Fragen. Eine neue und rasche Anstrengung der -zionistischen Bewegung, -zu neuen Taten zu gelangen, zu neuem größeren Aufbau,, ist das Gebot der Stunde. H. F r u m k i n. 34