Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 1 (Februar 1930)
- Date
- 1930-02-01
- Page
- – (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3497353-3497367-3497368--492-3525994- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
UNSERE AUFGABE IM „HECHALUZ" (Aus den Ausführungen von J» Tabenkin, Ejn Charod auf der Moazah des „Kibbuz Hameuchad") Unsere Revolution, deren Zweck ein sozialistisches Erez Israel ist, bedeutet die Umwandlung des größten Teiles des nicht^proletarischen Volkes zu Arbeitern, die Ueberleitung jüdischer Massen zur Arbeit im Lande. Das bedeutet: eine Orientierung an nicht arbeitenden Kreisen, an der Jugend. In jeder sozialistischen Partei ist die Organisierung arbeitender Menschen die Hauptaufgabe; bei uns ist die Orientierung: Eroberung der Jugend für die Arbeit. Wohl kommt auch die Einwanderung arbeitender Juden nach Erez Israel in Betracht, die revolutionäre Bedeutung aber liegt in der Eroberung der Jugend für die Arbeit, für den Stand des Arbeiters. Dies ist das Zentrale, nicht in dem Sinne, daß die Jugend eine besondere soziologische Schicht bedeutet, sondern weil dies die wichtigste Seite unserer Revolution ist; denn die Ue'berleitung des Volkes zur Arbeit, die Schaffung einer proletarischen Mehrheit im Volke und im Lande, die Produktivierung des Volkes, vollziehen sich meist durch die jüngeren Schichten, nicht durch die Väter. Die Söhne, die Jugend, ihre Erziehung und ihr sozialer Weg sind der Ausdruck eines sozialistischen Revolutionsprozesses. Seit der Schaffung der ersten Kvuzah im Lande besteht die Verbindung zwischen ihr und der Jugend im Galuth. So entstand die Bewegung des »Haschomer Hazair« in Verbindung mit den Gedankengängen der Kvuzah, so erwuchs die Bewegung in Rußland noch vor dem „Hechaluz44, Trumpeldor und Zwi Schatz sprachen und träumten von der Kvuzah, als sie nur dunkle Gerüchte von der Kvuzah erreichten. Eine instinktive Verbindung besteht zwischen der Kvuzah-Bewegung und der Jugendbewegung. Ich weiß nicht, ob wir einmal über unsere Tätigkeit im »Hechaluz« Beschlüsse gefaßt haben. Ganz von seihst wurden wir zu dieser Tätigkeit gedrängt; denn der volle revolutionäre sozialistische Inhalt der Bewegung ist in der Kvuzah, und es gibt keinen Weg der Kvuzah ohne eine revolutionäre Chaluz - Jugend - Bewegung. So bedeutet der Weg des Kibbuz in seiner moralischen, nationalen und sozialen Bedeutung erzieherischen Inhalt und ist der Weg der Organisierung. Was ist der Kibbuz? Hat er Bedeutung an sich oder ist er nur ein Mittel? Es gibt keine lebendigen Menschen, die das Leben in Erez Israel, das Lehen mit der Natur, das Leben der hebräischen Kultur hier leben, um für irgend etwas ein Mittel zu sein. Das Leben bestimmende Dinge tut man nicht, weil sie für irgend etwas Mittel sind. Wir hatten schon lange Zeit die Beziehung zur Natur, zur Arbeit, zur Sprache, zur Kvuzah, zu Erez Israel als Heimat — das waren die wichtigen Dinge, die Lebenswerte, die den Inhalt unseres Lebens bestimmt haben. Als dann der »Zusammenbruch« der revolutionären Bewegung, die Krisis im Sozialismus und im Zionismus kam, begann die Revision und das Suchen nach einer Rechtfertigung, ob dies alles bloß ein Mittel sei oder eigene Bedeutung habe. Ganz plötzlich kam das Gerieht. Ich habe das immer als eine große innere Unwahrheit empfunden. Bei uns gibt es eine Bewegung zur Kvuzah, zum Dorf, weil die Probleme unseres Volkes all das bedingen, aber die Bedeutung dieser Dinge liegt in sich selber. Wir von der zweiten Alijah kamen ohne ausgesprochene Ideologie in das Land, ja es gab solche, die ihr NicM-Zionist-Sein betonten. Man kann es unterlassen, sich ein entferntes Ziel zu stecken, und doch kann sich das ganze Leben einem solchen Ziele zu bewegen. Die Meinungsverschiedenheiten, die sich unter uns inbezug auf Mittel oder Zweck zeigen, sind Zerfalls-Erscheinung. Die menschliche, individuelle Bedeutung liegft in der Alij ah, in der Arbeit, in der Kvuzah, im Hebräischen usw., das ist die menschliche und moralische Bedeutung, die der Ausdruck eines objektiven Lebensprozesses ist, der sich in der sozialen Bewegung ver- 31