Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 1 (Februar 1930)
- Date
- 1930-02-01
- Page
- – (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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Nur mit Euch und Eurem Willen! Hier wird Euch sicher auch der Satz in dem Referat von Liebenstein über die »potentiellen Möglichkeiten« der Arbeit im Lande Mar: Dies ist nur ein kleiner Bruchteil dessen, was erobert werden kann und — wird! Aber nur wird, wenn der jüdische Arbeiter da ist, der sie fordert. Vor wenigen Tagen sind unsere Chawerim aus Gescher zurückgekommen. Gescher, eine der Wirtschaften des Kibuz Hameuchad, nahe am Werk von Rothenberg gelegen, brauchte im Sommer dringende Hilfe zur Fortführung der Arbeit. Wir schickten «zehn Chawerim, darunter auch drei unserer »deutschen« Bachurim. Gegenseitige Hilfe in der Wirklichkeit. Ein Verband von Kwuzoth und Kibuzim — fünfzehnhundert Menschen stark, stützt und hilft sich gegenseitig im Aufbau und auch im Kampf gegen Anfeindungen aller Art, an denen es nicht fehlt. Heute wird der historische Akt des „Ichud"-Vereinigung vom Gdud und Kibuz Hameuchad vollzogen. Die Zeit ist nicht weit, wo alle Kommunen ihre Kräfte zusammenschweißen werden zu einem mächtigen Block, zu einer großen Kommune, zum Vortrupp der sozialistiscihen Verwirklichung in Erez Israel Auf unseren Zusammenkünften und Beratungen wird nur hebräisch gesprochen, man spricht, stottert, zerbricht sich fast die Zunge, aber hält am Hebräischen fest. Man fragt uns, wie wir »Jeckes« dieses Stück so schnell überwunden hätten. Stück für Stück zieht uns die hebräische Sprache in ihren Bann, es gibt noch genug Verstockte, aber das Gros lernt — nach schwerer Arbeit, spricht, ja viele lesen bereits Bücher, eine große Anzahl liest perfekt Zeitung und Zeitschrift. Außer der zwingenden Notwendigkeit und dem Willen geht uns auch mehr und mehr die Schönheit unserer Sprache auf. In der nächsten Zeit werden eine Reihe von Chawerim beginnen, arabisch zu lernen. Der JBücherhunger ist stark, das Verlangen nach geistiger Vertiefung, innerem Wachsen durch Fundierung treibt natürlich uns alle dazu, viel deutsch zu lesen. Solange Hand in Hand damit der Wille zum Hebräisch-Lernen geht, sieht keiner von uns darin eine Sünde, da wir Bildungsmittel nicht entbehren können. Wir haben großen Mangel an guter sozialistischer Lektüre. Trockene Worte reichen nicht aus, Euch getreueste Wirklichkeit wiederzugeben. Mein heißer Wunsch ist, Euch durch dieses Bild die treibenden Kräfte zu zeigen, die nicht nur bei uns, sondern im ganzen Lande mit Macht wirken zum Aufbau unseres Werkes. So wie hier um uns herum neue Pflanzungen entstehen, Chausseen gebaut werden, neuer Boden unter den Pflug kommt, so wie bei uns alles nach Weiterbau drängt, so geht es im ganzen Lande. Und das Land ist hungrig nach Menschen! Vieles, vieles, was ich hätte sagen müssen, muß ungesagt bleiben. Würdet Ihr aber aus meinen wenigen, an der Oberfläche der Dinge haftenden Worten etwas von dem stark pulsierenden Lebein hier, von dem geradezu elektrisierenden Tempo unseres Bauens spüren und dem tiefen Glau(ben, der in unserer Arbeit ist — so haben sie ihren Dienst getan. Ich möchte Euch mitteilen von der steigenden Verbundenheit mit Arbeit und Boden, vom tiefen Glauben an die Kraft zur Verwirklichung, der seine Wurzeln tief her aus dem unmittelbaren Zusammenstoß mit der Wirklichkeit holt. Jetzt, gerade jetzt müßt ihr bestehen, im Moment, wo unser ganzes Werk vor größten Aufgaben steht. Habt Ihr den alten Glauben, dann findet Ihr auch die Kraft mit wenig Menschen, Bereiten an die Arbeit zu gehen, so wie wir immer mit einer kleinen Schar von Besessenen ans Werk gegangen sind. Das könnt auch Ihr, wenn Ihr statt Euch nach innen zu streiten, Euch geschlossen nach außen wendet. Prüft, o!b nicht jetzt gerade der Zeitpunkt ist, an jüdische Jugend mit unserer höchsten Forderung, der Forderung der Verwirklichung heranzutreten, aber nur, wenn Ihr selbst Verwirklicher seid! Ein Gruß an Euch alle! Schalom ubirkath haawodah! Alfred v. d. Walde. 50