Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 1 (Februar 1930)
- Date
- 1930-02-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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einer von uns hat gründlich umlernen müssen von dem in Deutsch* land anerzogenen, engbegrenzten Kolonisierungszionismus zum freien, weiten Blick für die' historische Mission des Zionismus in unserer Zeit und die gewaltigen Aufgaben einer Volkwerdung. Volk wurde uns hier vom blutleeren Begriff zu einer Vorstellung, die feste lebendige Dinge umfaßt, zu dem man sich hinentwikkelnkann, von dem man ein Teil werden kann. Im Laufe dieses kurzen Jahres bekommt auch unser Sozialismus langsam ein anderes Gesicht. Unser Lohnarbeitersein — arabisches Lebensniveau, Aufgaben einer wiederauflebenden, jüdischen Nation zwingen zur tagtäglichen Stellungnahme und zur großen grundsätzlichen Klärung. Unser Leben als Kommune zeigt uns den Anfang einer sozialistischen Verwirklichung, ohne uns natürlich über die unserer noch harrenden schweren Aufgaben zur sozialistischen Verwirklichung hinwegzutäuschen. Literaturfern stellt uns das Leben hier Tag für Tag vor Fragen unseres Sozialistsein. Leider beteiligen wir uns bisher viel zu wenig an den »politischen und sonstigen Fragen der Arbeitergesellschaft. Erst in letzter Zeit beginnt ein langsames Erwachen auch dazu. Ich bin sicher, daß auch die Einreihung hier in das politische Leben der Arbeiterschaft, das ja für uns ehemalige »Jugendbewegte« oft so schwer ist, uns gelingen wird. Im Laufe dieser zwölf Monate ist die Plugah auf über hundert Menschen angewachsen, fast 2jz aus Deutschland, V3 aus Litauen und Chawerim der alten Plugah. Wir erwarten täglich neue Olim. Unser sind die tausend Dun am! Mit einem Gefühl von Stolz und voll von Plänen denkt jeder an unseren ersten Anfang zum Meschek. Schon sind hundert Dunam Gerste, fast gleichviel Grünfutter gesät, unser Garten bringt Tag für Tag Gemüse auf den Markt und nach Tel-Aviv. Alles mit eigenen Mitteln ohne Zuschüsse. Schon werden Verhandlungen geführt wegen einer Anleihe für dreißig bis vierzig Dunam Pardess (wolbei die Ernte «des Getreides verpfändet wird), für einen Weinberg wird schon gepflügt, heute morgen begann die ersteBohrung zum Brunnen, übermorgen beginnen wir damit, die Ziegel für unser erstes Wohnhaus zu machen. Das Haus wird auf der Höhe eines unser Land begrenzenden Hügels gebaut — als Anfang unserer zukünftigen Siedlung. Der Plan dafür liegt uns bereits vor. In zwei Monaten wird ein zweistöckiges Haus mit acht Zimmern, die ersten Anlagen zur Siedlung, stehen. Es ist bereits Not an Menschen. In kurzer Zeit beginnt die Anlage einer neuen Baumschule für Obstbäume; der Garten wird vergrößert, um uns herum beginnen in Kürze neue Pflanzungen, die uns neue Arbeit geben, dringender und dringender wird der Ruf nach Menschen! Genau heute vor acht Tagen sind unsere ersten acht Chawerim zur Arbeit nach Gederah gegangen, heute arbeiten dreizehn Chawerim alle fest für ein Jahr. Nach Unterbrechung von zwei Jahren zum ersten Mal wieder jüdische Arbeiter in Gederah, der ersten Bilu-Siedlung. Gederah braucht jüdische Menschen aus Gründen der Sicherheit, die PJCA dringt auf jüdische Arbeiter, nach langem Kampf sowohl mit den Siedlern als auch zwischen den älteren und jüngeren Siedlern beginnt man mit der Aufnahme jüdischer Arbeiter. Man spricht davon, daß die Aufnahme der Arbeit in Gederah eine der größten Taten ist, die der Kibuz in diesem Jahre vollbracht hat. Kibusch awodah! Jüdische Arbeit in jüdischer Wirtschaft! Gründung einer neuen Plugah! Perspektiven zur Erweiterung und zum Bodenkauf. Vor uns steht der Problemkomplex des Kibusch awodah in seiner ganzen Lebendigkeit und Schwere. Der größte Teil unserer Arbeiter in Gederah sind Chawerim der letzten Alijah; Motte! Fallik, Isi Unger, Hugo Borger, Louis, Jablotzki, Krakel, Izchak Stern, Awraham (Werner) Fränkel usw. Nach heißer Debatte bis in die Nacht hinein, nach einer Debatte, die das Problem in seiner ganzen Tiefe aufwühlte, wurde der fast einmütige Beschluß gefaßt, nach Gederah zu gehen, aber nicht allein und nur mit unseren jetzigen Kräften werden wir dieses begonnene Werk weiterbringen. 29