Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 1 (Februar 1930)
- Date
- 1930-02-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Eigentümer der großen Landgüter, die darüber böse sind, daß das Beispiel der jüdischen Arbeiter ihre eigenen Arbeiter anspruchsvoller macht. Da sind endlich die Kaufleute, die Schreiber, die unteren Funktionäre der Städte, »die mit einer gereizten Ungeduld die Konkurrenz erdulden, die ihnen die Geschicklichkeit, die Erfahrung:, die größere intellektuelle Fähigkeit derjenigen Juden bereitet, die zu denselben sozialen und beruflichen Gruppen gehören. Sucht 'die verantwortlichen Urheber, die unter dem Deckmantel der Religion und des Nationalismus die soeben ausgebrochenen Angriffe gegen die jüdische Minderheit vorbereitet haben — ihr werdet sie in der einen oder der anderen der drei Gruppen finden. Andererseits braucht man nicht lange in Palästina gewesen zu sein, um sich darüber klar zu sein, daß es keine Gegnerschaft, sondern eine Gemeinsamkeit oder mindestens eine gleiche Richtung der Interessen zwischen den jüdischen und arabischen Arbeitern gibt, zwischen den Zionisten, die ohne Arbeitslohn wieder Boden wertvoll gemacht haben, der jahrhundertelang verödet war und den armen Fellachen, die erbarmungswürdig von den Großgrundbesitzern ausgebeutet worden sind, seien es nun nichtzionistische Juden oder Effendis aus Syrien und Palästina. Die Aufgabe von morgen, für die eine Regierung wie die von Mac Donald, Henderson und Sidney Webb besser qualifiziert ist, als jede andere, um sie zu einem guten Ende zu führen, ist diese: Man muß die jüdischen und arabischen Arbeiter näher bringen, indem man ihnen eine völlige Gleichheit der Behandlung verschafft, indem man sie bei den öffentlichen Arbeiten beschäftigt, die steuerlichen Lasten sowohl des zionistischen Siedlers als des eingeborenen Bauers erleichtert, man muß sich mit allen Mitteln der Erziehung und der Aufklärung bemühen, die feindlichen oder gegnerischen Rassen und Bekenntnisse auszusöhnen, man muß unter der Kontrolle des Völkerbundes die Sicherheit, den Schutz der Interessen der Arbeit, die Achtung vor den erworbenen Rechten, sichern. Aber an diesem Werke der Befriedigung und der Gerechtigkeit müssen, können und sollen die Juden ihren Anteil nehmen. Es gibt jetzt in Palästina tausende von Arbeitern, die der sozialistischen Internationale durch die Poale Zion und an die Gewerkschaftsinternationale durch ihre Histadruth angeschlossen sind. Sie vor allen Dingen müssen mit unermüdlicher Beharrlichkeit daran arbeiten, daß die Klassensolidarität die Gegnerschaft und den Haß der Rasse, der Religion und der Nationalität überwinden. Internationalisten und zu gleicher Zeit Zionismen müssen sie das einigende Band unter allen Arbeitern sein, müssen sie den weniger entwickelten unter ihnen zeigen, daß ihre Feinde nicht ihre Arbeitsgenossen, sondern ihre Unternehmer sind. Das ist bei den gegenwärtigen Umständen eine undankbare und söhwere Aufgabe. Aber ich kenne die jüdischen Arbeiter zu gut und weiß, daß sie sich ihr nicht entziehen werden. Es ist nichts zu hoffen, es ist aUeis zu tun. Gustav L a n d a u e er an Poul Bjerre (Juli 1915). 0