Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 1 (Februar 1930)
- Date
- 1930-02-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE EREIGNISSE IN PALÄSTINA UND DER ZIONISMUS. Von Emile Vandervelde. Die Ereignisse in Palästina geben Problemen eine blutige Aktualität, deren Schwierigkeit und Ernst nicht verkannt werden kann. Man hat in gewissen Kreisen versucht, zu behaupten, daß die neue Aribeiterregierung, die seit einiger Zeit am Ruder ist, ihren Teil der Verantwortung an den Metzeleien gehabt hat, die sie voraussehen mußte und die sie hätte verhindern können. Das ist abwegig, Auf die erste Nachricht von den Pogromen hat sie getan, was sie tun konnte und was sie tun mußte. Sie hat den mächtigen militärischen Apparat entfaltet, über den das britische Reich auf dem Wege nach Indien verfügte. Sie hat gegen diejenigen, welche verbrecherische Handlungen begangen hatten, scharfe Strafmaßnahmen ergriffen. Sie hat an Ort und Stelle eine Untersuchungskommission entsandt, die feststellt, ob die örtlichen Behörden nicht aus Schwäche, aus Unerfahrenheit oder vielleicht gar aus Willfährigkeit gegenüber Provokateuren und Agitatoren gegen die Juden gehandelt haben. Danik dieser Maßnahmen ist die äußere Ordnung wiederhergestellt oder im Begriff wiederhergestellt zu werden. Anders steht es mit der moralischen Ordnung und unter den schwierigen Aufgaben, die der Arbeiterregierung auferlegt sind, gibt es vielleicht keine schwereren, als die, die mit der 'Ausübung des Palästina-Mandats verbunden sind. Es ist eine Aufgabe, die die schwerste Verantwortlichkeit auferlegt: Das friedliche Beieinanderleben von zwei Bevölkerungsgruppen auf demselben Gebiete zu sichern, die zweifellos Rassenverwandsehaft untereinander halben, die aber gleichzeitig durch ihren Glauben und durch ihre nationalen Bestrebungen voneinander getrennt sind, die Achtung zu aichern, vom Standpunkt völliger Gleichheit der Rechte und der Freiheiten aller, das ist für die Mandatarmacht gleichzeitig eine gebieterische Notwendigkeit und — zuviel schmerzhafte Ereignisse haben es bewiesen — eine AufgaJbe, die die schwerste Verantwortlichkeit nach sich zieht. Es ist indessen eine Tatsache, auf die man nicht genügend hinweisen kann, denn nur von ihr läßt sich eine bessere Zukunft für das leidende und blutende Palästina erwarten, daß es zwischen der großen Mehrheit der arabischen Bevölkerung und den aktivsten Teilen der jüdischen Bevölkerung keinen wirklichen Gegensatz der Interessen gibt, sondern daß das Gegenteil «davon wahr ist. Unser Genosse Wedgwood hat in seinem Buch: das siebente Dominium — gezeigt, daß es nur drei Reihen von Scheingründen gibt, die gegen die Entstehung der jüdisch-nationalen Heimstätte sprechen. Da sind zunächst die Beduinen, «die jedes Ja;hr .aus Transjordanien kommen, um ihre mageren Herden im Jordantale zu weiden. Man hat an ihre Durchgangsplätze nicht gerührt. Man will sie ihnen nicht nehmen, aber wie alle Nomaden fühlen sie sich durch den Fortschritt der landwirtschaftlichen und industriellen Technik bedroht. Da sind an zweiter Stelle die Effendis, die feudalähnlichen