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Der junge Jude · 1930-02-01 · Heft 1 (Februar 1930) · page 5

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Journal
Der junge Jude
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 1 (Februar 1930)
Date
1930-02-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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sehe Bewegung ist aus historischer Ungerechtigkeit, unter welcher die jüdische Nation leidet, und aus erdrückender Not der jüdischen Volksmassen entstanden. Von diesen politiseh-sozial-menschliehen Kräften wird unsere Bewegung getragen, und wer das palästinensische Werk in eine Stätte des abstrakten, vom Volke abgelösten jüdischen Geistes oder in einen Zufluchtsort für wenige Auserwählte verwandeln will, der vergreift sich an den die Bewegung tragenden Kräften und beraubt sie ihrer Berechtigung. Das jüdische Volk strebt vor allem nach Selbständigkeit und nach menschlicher und sozialer Befreiung und nur wer ihm diese sichern kann, sichert damit auch eine Stätte dem jüdischen Geiste. Vollkommen ungerechtfertigt sind aber politisch-kolonisatorische Verzichte, die von uns nicht im Namen der arabischen Interessen, sondern im Namen der arabischen Führer verlangt werden. Zwischen Bestrebungen von diesen Führern und den Interessen des arbeitenden arabischen Volkes klafft eine unüberbrückbare Kluft. Wer uns zum Kompromiß mit diesen Führern anruft, schlägt uns ein Bündnis mit sozialer Reaktion vor und geht an dem Wesen des arabisch-jüdischen Konfliktes völlig vorbei. Die Beseitigung dieses Konfliktes besteht im Aufbau der jüdischen Heimstätte und in der Befriedigung aller gerechten, in der Wirklichkeit fundierten Bedürfnissen des arabischen Jisehuw. Dazu ist es nötig, daß die Mandatarregierung sich ihrer hohen zivilisatorischen Aufgabe in Palästina bewußt wird und daß die zionistische Bewegung ein klares, eindeutiges, kühnes „Araberprogramm6', fern von Korruptionsgedanken und von billiger Diplomatie, ausarbeitet und es konsequent durchführt, als organischer Bestandteil ihrer palästinensischen Arbeit. Es gibt aber, so sagt man, auch äußere Kräfte, die uns zu weitgehenden politischen Konzessionen zwingen können, auch wenn wir ihre innere Berechtigung nicht anerkennen. Diese äußeren Kräfte, soweit die arabische Pogrombewegung gemeint ist, sind teilweise Früchte von Uebertreibung, der Uebertragung europäischer Begriffe auf eine grundverschiedene und ihnen fremde Welt, und in dem Maße, in dem sie wirklich existieren, wurden sie künstlich großgezogen und werden auch jetzt künstlich großgehalten. Diese Kräfte zu neutralisieren, wären wir wohl imstande unter einer Bedingung: daß die zionistische Bewegung geeint, innerlich stark, ihrer Aufgabe wohl bewußt, tat- und opferbereit bleibe, und es nicht erlaube, daß Hirngespinste und leere Phraseologie, wirklichkeitsfremde Gedanken und deplacierte Schlagworte und Analogien ihrer Herr werden und sie in ihrer Aktionskraft lähmen. Wir befinden uns mitten in einer ernsten Krise, die weit diejenige übersteigt, die bei uns während akuter wirtschaftlicher und finanzieller Schwierigkeiten zu entstehen pflegt. Sie ist vielleicht nur der Uganda-Krise zu vergleichen. Sie, diese innere Krise, ist unser gefährlichster Feind, viel gefährlicher als palästinensische Administration, die jederzeit durch eine andere ersetzt werden könnte, viel gefährlicher als arabische Pogromführer, deren Macht auf Unwissenheit und Versklavung der arabischen Volkmassen beruht. Wenn diese Krise überwunden sein wird und die zionistische Bewegung mit erneutem Elan ihre Arbeit fortsetzt, von ihr begangene Fehler gutmacht und von den August-Ereignissen lernt, ohne jedoch ihre Ziele irgendwie einzuengen und ihre Möglichkeiten abzuschneiden, dann wird sich bald herausstellen, daß die angeblich 3

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