Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 1 (Februar 1930)
- Date
- 1930-02-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Aufsätze sind zum Teil ans polemischen Anlässen hervorgegangen, hauptsächlich gegen eine bestimmte zionistische Eichtung. Die Aufsätze, die etwa gegen den Revisionismus geschrieben wurden, wurden von mir in diese Broschüre nicht aufgenommen. Aus den Grundgedanken meiner Ausführungen soll meine Gegensätzlichkeit dem Revisionismus gegenüber selbst klar sein. Dieser Grundgedanke scheint mir trotz der „Zerstückelung" des Materials genügend klar und eindeutig zu sein. Unrecht, schweres Unrecht ist dem zionistischen Werke, ist dem jüdischen Volke in seinem Lande geschehen. Unverzeihliches, unbegreifliches Unheil wird es sein, wenn das Werk jetzt, nachdem die blutigen Ereignisse scheinbar abgeschlossen sind (und niemand weiß, ob dieses „scheinbar" keine neuen Gefahren in sich birgt) noch moralisch und rechtlich von außen und von innen, und politisch seitens der Mandatarregierung und des Völkerbundes belastet werden soll. Wir haben Fehler begangen, taktische und substantielle. Ich habe sie nicht verheimlicht, obwohl es manchmal nicht leicht war — ich schrieb diese Aufsätze nicht im fernen Auslande, sondern im Lande selbst, das vom Brand erfaßt war und wo jedes unvorsichtige Wort von den Feinden ausgenützt und vielleicht auch mit jüdischem Gut und Blut bezahlt werden konnte. Trotzdem: es soll zugestanden werden. Wir haben Fehler begangen. Was sind sie aber im Vergleich zu den zerstörenden Kräften, die gegen uns entfacht wurden? Was ist unser gröbster taktischer Fehler — unser Verhalten im Falle der Klagemauer — im Vergleich zu dem Verbrechen, das gegen uns begangen wurde? Was ist unsere ungenügende Aufmerksamkeit der arabischen Frage gegenüber im Vergleich zu der grimmigen, blutdürstigen Feindschaft, mit dem unser Recht- und Friedenswerk von gewissen Kreisen des arabischen Jisehuw empfangen wurde, und zur fortwährenden Rechtsbeugung, der wir seitens der palästinensischen Administration ausgesetzt wurden? Die Fehler müssen gutgemacht werden. Wir müssen die August-Ereignisse nicht nur verdammen, sondern von ihnen auch lernen. Dieses Gutmachen, dieses Lernen sollen wir aber nicht mit unserer Existenz und mit Entwicklungsmöglichkeiten unseres Werkes bezahlen. Denn damit hört jedes Gutmachen und jedes Lernen auf und die Selbstvernichtung beginnt. Unser Recht auf Aufbau von Erez Israel — unter der Bedingung, daß wir kein sachliches Unrecht den arabischen Massen zufügen, unser Recht auf Wiederaufrichtung der jüdischen Heimat im jüdischen Lande ist über alle Zweifel erhaben. Die ungestörte Verwirklichung dieses Rechtes soll die unantastbare Grundlage jeder zionistischen Lösung des jüdisch-arabischen Problems sein. Fern sei von uns jeder Gedanke an Unterdrückung und Unrechttun. Der Zionismus wäre sich selbst untreu, wenn er nicht in die Herzen seiner Anhänger die Erkenntnis einpflanzte und erzog, daß jeder redliche Mensch uns Bruder ist, zwiefach jeder Arbeitende und Leidende, dreifach der arbeitende Mensch aus der arabischen Bevölkerung, mit dem wir gemeinsame Erde bebauen. Aber ebenso ferne sei von uns jeder Gedanke an Verzichte, die das Herz der Bewegung und des Werkes treffen, an Verzichte, die den Inhalt des Werkes illusorisch machen oder es zusammenschrumpfen lassen, sodaß es seine entscheidende Bedeutung für die Geschicke des jüdischen Volkes und der jüdischen Massen verlieren muß. Die Zionisti- 2