Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 2 (1929-1930)
- Issue
- Heft 1 (März 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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ungen herausbilden, empfindet der Bund seine Aufgabe, die gebieterisch Erfüllung verlangt, besonders stark. Der Weg des Bundes ist Chaluziuth. Obzwar gedanklich von allen anerkannt, ist sie doch die umstrittenste Frage dos Bundes. Denn trotz des klaren Ziels sind es auch im Bande immer nur einzelne Chawerim, die den Weg der körperlichen Arbeit gehen und die anderen, -die allmählich ins bürgerliche Leben hineinwachsen und hineinwachsen müssen, überwiesen. Es ist daher eine gesunde Reaktion unserer Menschen, wenn sie gegen diese Entwicklung Sturm laufen. Es ist -ein Zeichen der Jugendbewegtheit, wenn der Buni nach Tat und nicht nach Bekenntnis wertet, und wenn er fragt, inwieweit verwirklicht der Bund seine Forderung Chaluziuth; inwieweit erreicht er sein Ziel, Nachwuchsbewegung der pal. Arbeiterschaft zu sein. Auch heute noch -empfindet der Band, daß erst die persönliche Verwirklichung entscheidend für das Leben ist, und .so ringt er, um Idee und Wirklichkeit durch Chaluziuth zur Einheit werden zu lassen. In der Verwirklichung der Idee liegt ja das Charakteristische des Bundes und wenn wir heute im Bund um einen noch stärkeren Ausdruck dieser Tendenz bemüht sind und uns nach d r Möglichkeit fragen, so sollte die Antwort positiv sein »s Die Negation ist im Leben immer der leichtere Weg und es ist daher verständlich, wenn sehr viele unser Chawerim in der gegenwärtigen Situation bei Beantwortung dieser Frage ebenfalls diesen Weg gehen. Sie verneinen einfech die Existenzberechtigung der Ctsawerim, die noch nicnt zur Entscheidung der Chaluziuth gelangt sind — und glauben so, dem Bunde eine innere Stärke zu geben. Dieter Weg dürfte sich aber bei näherem Zusehen als nicht gangbar erweisen, denn abgesehen davon, daß es ein Unrecht den Menschen und dem Bunde gegenüber ist, gibt es keine Definition der Chaluziuth, die es uns objektiv ermöglicht, Scheidungen zu treffen. Ich glaube, daß der Bund den schwierigeren Weg einer positiven Beantwortung finden muß. Er muß ihn auch finden aus der Verantwortung •den einzelnen Menschen gegenüber, der sich der Bund nicht entziehen kann. Es muß uns gelingen, unsere Menschen so zu erfassen, daß sie stärker als bisher den Weg der Chaluziuth aus innerer Notwendigkeit herausgehen müssen. Die Schwere des Weges und die noch größere der Einordnung läßt nur innerlich ganz fest furdierte Menschen alle Hemmnisse überwinden. Es ist daher unsere Aufgabe, diese Fundieruug zu vermitteln und ihnen bewußt zu machen, daß unsere Forderung erst aus der Erkenntnis der jüdischen Gesamtsituation resultiert. Es muß ihnen klar werden, daß Chaluziuth der einzige Weg istP der uns aus der Problematik der Gaiuth herausführt und daß dieser Weg die äußere Konsequenz einer bestimmten inneren Einstellung ist. Die Notwendigkeit einer systematischen Erziehungsarbeit zur Chaluziuth ergibt sich für uns auch daraus, daß heute nicht mehr wie früher die Erschütterung der Bevolutionsjähre die Menschen aufwühlt und ihnen ihr Leben problemha?t erscheinen läßt, sondern daß es heute einer ganz bestimmten Beeinflussung und Erfassung der Menschen bedarf, um sie den Weg der Chaluziuth gehen zu lassen. Wir können heute Chaluziuth nicht an den Anf ang unseres Erziehungsarbeit stellen, sondern sie muß das Ergebnis sein. Im Anfang unsererErziehungsarbeit wird immer die Erfassung der jüngeren-Menschen durch unser Milieu sein. Wir müssen uns sogar bemühen, unser Eigenleben stärker werden zu lassen, noch stärker als bisher eine chaluzische Atmosphäre sich herauszukristalisieren und nicht zuietzt die palastino - zentrischen Bindungen zu vertiefen. Die Intensivierung unserer hebräischen Arbeit muß all dem dienen und un? gleichzeitig mit dem lebendigen Geschehen in E. I. verbinden. Dieses unser Eigenleben welches dem der uns umgebenden WeJt durchaus konträr ist, wird stets Menschen anziehen. Wir müssen uns aber bewußt sein, daß diese Milieuerziehung uns nicht genügen kann und daß es verhängnisvoll ist, Menchen nur aus einer romantischen Augenblicksstimmung oder gar durch unpersönlichen gesellschaftlichen Druck zur Hachsehahrah zu bringen. Das Scheitern dieser Menschen in 29