Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 2 (1929-1930)
- Issue
- Heft 1 (März 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
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mit dem Ausgang der Kinder so gehandhabt, daß das Kind, das in der Schule eine Zwei geschrieben hatte, am Sonntag um 2 Uhr hinaus* durfte, das eine Drei geschrieben hatte, um 3 Uhr und so regelte sich die Ausgangszeit in direkter Proportion zur Schulleistung. Oder: Schulkinder im Alter Von 6 bis 10 Jahren werden nach dem Mittagessen in eine Klasse mit Schulbänken geführt. Sie machen hier ihre Schularbeiten und müssen, ganz gleich ob sie mit den Schularbeiten fertig sind oder nicht, bis 4 Uhr nachmittags in ihrer Bank bleiben,, dürfen auch, wenn sie nichts aufhaben, nicht auf den Hof der Anstalt* Grund? Das Direktorehepaar will schlafen. Oder: in einem Kindergarten sind Steinfußböden. Die Helferin kämpft über ein Jahr um die Bewilligung von Linoleum. Vergebens: es ist kein Geld da. Dabei .... Oder: Jn einer Jugendpflegegruppe liest der Führer aus einem zionistischen Buche vor. Ein Mitglied der Jugendkommission hört das, kommt hinzu und klappt das Buch dem Führer vor der Nase zu . . aus Gründen der Objektivität und der Stärkung des Selbstbewußtseins des Führers. Wir alle fühlen, daß jeder von uns hieran mit schuld ist. Wir müssen wissen, daß das Allermeiste nicht aus Bosheit, sondern aus bequemster Gedankenlosigkeit getan wird. Jeder vertraut darauf, daß man nicht „persönlich" werden wird, d. h. unmittelbar Dinge sagen wird, wie sie sind, weil man ja sonst den guten Willen verkennen könnte. .;!:;.»;■ Wir haben in Seesen zu all diesen Fragen Resolutionen angenommen. Beschlüsse, die keineswegs pathetisch sind, die aber das sagen, worauf es tatsächlich ankommt. Vor allem ist ein Ausschuß eingesetzt worden, der Mißstände dann bekämpfen soll, wenn sie verbürgt und objektiv festgestellt sind. Erste Erfolge auf einzelnen Gebieten können schon jetzt verzeichnet werden* Eine besondere Schwierigkeit bleibt aber: man kann oftmals das wichtigste Material nicht verwerten, weil es „herauskommt" , wer es gesagt hat. Und der fliegt. Dabei soll nicht etwa der Eindruck entstehen, daß es überall so ist. Es sind wirklich teilweise Ausnahmefälle, die wir hier angeführt haben. Das entbindet uns aber nicht von der Verpflichtung, sie zu beseitigen! Durch diese Woche haben sich die Menschen, die an ihr teilgenommen haben, zusammengeschlossen. Sie haben vor allen Dingen erlebt, daß der einzelne junge Mensch in der Arbeit nicht allein zu stehen braucht, daß das, was er bisher als Schicksal hingenommen hat, unter Umständen abänderlich ist. Vor allen Dingen entstand für die meisten von uns die Gewißheit, daß es auch bei uns in unserer jüdischen Arbeit eine erhebliche Zahl junger, sachlich geschulter Sozialarbeiter gibt, die zusammen wirkliche, konkrete jüdische Aufgaben erfüllen können» Mancher, der mit Zweifel und Aengstlichkeit hingekommen ist, wurde plötzlich stark, um der Wahrheit begegnen zu können. Wenn wir jetzt wieder einzeln auf unseren Plätzen stehen, umgeben von ihrer Sache sicheren unerschütterten Bürgern, wird uns vielleicht auch mancher verloren gehen, der sich fragt, ob das nicht alles Schülerphanta-t sien gewesen sind, die zu schweigen haben, wenn der Lehrer wieder dfe Klasse betritt. x ' Wir brauchen uns aber nicht kleiner zu machen, als wir sind. Wir können schon jetzt aus unserer eigenen Erfahrung sagen, daß unsere Gegner keineswegs sehr mutig sind und vieles auch gegen ihren Willen tun, um den 6clat zu vermeiden. Geor^ Lubinski. 26