Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 2 (1929-1930)
- Issue
- Heft 1 (März 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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einzelner besonders hervortretender Sprecher des Hechahiz noch verschärft. Man vermag diese Situation nicht durch verstärkte nationale Impulse zu überwinden. Man hat den Gedanken des Klassenkampfes als Instrumentes zur Besserung der Lebenshaltung des Einzelnen aufgenommen, man war aber zu klein, aus der großartigen historischen Konzeption des Klassenkampfes eine tiefe von revolutionärem Geist erfüllte Ideologie zu schaffen, die unserer Situation entspricht. Es ist zu fordern, anstelle der beziehungslos übernommenen Begriffe von europäischem Klassenkampf den Nachweis zu bringen, daß Klassenkampf eines der wesentlichsten Momente zum Wiederaufbau unseres Volkes ist. Die Situation kommt dem entgegen. Vielleicht nicht einmal die Situation selbst, vielmehr die Verhaltungsweise von Tag zu Tag wachsender Kreise des Hechaluz. Denn man hat aus der schwierigen Lage in der sich der Poel im Lande befindet, — (nach marxistischer Erkenntnis:) ausgebeutet von einem Ausbeuter, der selbst als Zionist zu gelten wünscht, — den Schluß gezogen, daß sich nur als Chaluz im Lande halten kann, wer von Haus aus durch die materiellen Gegebenheiten in die Klasse der Arbeitnehmer, der Ausgebeuteten gedrängt wird, denn über den anderen kommt die „Besinnung —(Als es uns noch besser ging, sagten wir „Mazaw haruach"). Mit anderen Worten, wer das „Pech" hat, eines „guten Bürgers" Sohn zu sein., dem sind die Tore zur Verwirklichung des zionistischen Ideals verrammelt. Man traut nicht dem Ideal, nicht der Kraft freien menschlichen Willens. Der Schubs von hinten oder die realen Tatsachen des Lebens bringen die Entscheidung.1 Basta. Allein zu Jubiläen wird zur Verbrämung der Organisation der Vokalkabelbeschatz einer idealistischen Zielsetzung hervorgeholt. (Keine Uebertreibung, auch keine Wirklichkeitsschilderung, sondern eine Verdeutlichung der Tendenz im Hechaluz.) Die Bewegung ist in Gefahr, durch diese Tendenz. Weil sie einen wesentlichen Teil der jüdischen Jugend lahmlegt. Man darf nicht mehr wagen, der zionistischen Jugend zu sagen, weil einem Teil dieser Jugend erst anstelle der ihnen nach dieser Ideologie versperrten Chaluziuth ein aequivalentes Ziel gesetzt werden muß. Aber rechnen wir mit dieser Tendenz und fragen wir uns, ob aus der Tatsache ihres Eindrucks auf viele Menschen der Chaluzbewegung (nicht ein neuer den Zionismus befruchtender Gedanke gewonnen vverdeu könnte. Ist man tatsächlich derart fatalistisch gesinnt, daß man an eine soziologische Bestimmung der jüdischen Jugend glaubt, an eine Bestimmung, der sich nur selten einer entziehen kann, dann muß Klassenkampf mehr sein als Kollektivegoismus, in einer Zeit gemeinsamen nationalen Ringens. Klassenkampf ist dann wesentliches Mittel für den Regenerationsprozeß des jüdischen Volkes. Er wächst in seiner Bedeutung hinaus über den Einzelnen und selbst über die kämpfende, das heißt die Tatsache des Kampfes aufweisende Klasse, die Arbeiterschaft, und ordnet sich organisch ein in die gewaltige Bewegung des jüdischen Volkes. Er ist nicht mehr hinzugetan dem nationalen Gedanken, nicht eine der Formen produktiven jüdischen Lebens, sondern d i e Form. Denn die Schicht, die nach jener als fatalistisch gekennzeichneten Anschjatiung der Träger und Verwirklicher der zionistischen Idee allein sein kann, ist von (Haus aus, d. h. von ihrer ersten unmittelbaren Aufnahme der Wirklichkeit, wie sie sich hier zeigt und nicht auf Grund intellektueller Ueberlegungen dem Klassenkampf entgegengewachsen. Es findet hier eine Zuordnung von Aufgaben an die einzelnen Schichten der zionistischen Gesellschaft statt, die aus Gründen zionistischer Gesamtverantv wortlichkeit die besonderen Formen jeder Gruppe respektieren müssen. 22