Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 2 (1929-1930)
- Issue
- Heft 1 (März 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3497353-3497361-3497362--260-3525946- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
sern stammen, werden heute geführt von Menschen, deren eigener Zio* nismus zum großen Teil zweifelhaft ist. Die Erfolge zeigen sich. Die Jungen und Mädchen werden sicher keine Assimilanten werden, die werden vielleicht Zionisten bestimmt keine Chaluzim werden. Und ihr Zionismus, wenn wir schon das Glück haben werden, sie bei uns zu begrüßen, wird ein schwacher Abglanz desjenigen ihrer Führer sein: Er wird also nach noch kürzerer Zeit als dieser versagen. Nach Palästina führt er die meisten als Touristen, einige wenige werden vielleicht als Kaufleute, Rechtsanwälte und ein Häuflein Unentwegter — das ist schon eine kühne Hoffnung — als Zionisten zu dauerndem Aufenthalt. Wie es auch sei, unsere einzige Hoffnung liegt in der Jugend. Der Zionismus steht als Bewegung vor einem neuen Aufschwung. Der Jischuw in Palästina, und er allein kann die Menschen stellen, die auch junge jüdische Menschen in Deutschland wieder zum gelebten Zionismus bringen können. Heinz Boss. Die Bewegung ist in Gefaßr. Die Verwirklichung des zionistischen Ideals, Chaluziuth, die Neugestaltung des persönlichen Lebens auf Grund eigener produktiver Tätigkeit, die Regeneration des jüdischen Volkes durch seine Rückkehr zur eigenen Scholle, diese Renaissance, entsprungen dem Willen und der Sehnsucht der jüdischen Jugend, die sich zusammengefunden in der mächtigsten Bewegung des jüdischen Volkes, im Zionismus, — dieser Weg, dieses Ziel in Gefahr? In der Tat es ist so Und es kam dahin, weil die, die mit dem heiligsten Willen an das Werk sich begaben, die Situation gründlich mißverstanden. Ueberall da, wo nicht mehr der starke Strom der Bewegung die •Menschen erfaßt und all ihr Interesse auf ein Ziel konzentriert, da wo aus Ruhe und Ansässigkeit wieder der einzelne Mensch, er, in den Vordergrund tritt, er, der seinen Garten zäunt und mit Sicherheitsschloß und berittener Polizei die nichtigen Schätze seiner isolierten Existenz bchützt, da treten die Differenzierungen jeder konsolidierten Gesellschaft zu Tage. Klassenkampf — rund herausgesagt! Keiner wagt ihn heut zu leugnen. In der Besonderheit der zionistischen Situation erwachsen der Arbeiterschaft daraus Aufgaben besonderer Art. Doch gibt sie darum dem Gedanken des nationalen Zusammenschlusses des gesamten jüdischen Volkes auf? Weil es nicht gelungen ist, die sozialistische, die klassenlose Gesellschaft zu erreichen und damit das Ideal einer Nation zu schaffen, verzweifelt sie darum an der Aufgabe und glaubt sie ein Monopol auf nationale Würde und Repräsentationsberechtigung erworben zugaben? Keineswegs. Denn immer wieder dringen die Stimmen der Arbeiterführer zu uns, die der festen Ueberzeugung sind, nur Bekenntnis zu diesem jüdischen Volk, wie es heut uns Init all seinen V vcjm Sozialismus zu bekämpfenden Mißständen entgegentritt, kann die Kraft geben, im Lande .auszuharren. Bei uns nimmt der soziale Kampf andere Formen an als anderswo, weil nicht viel Güter im Lande zu exproprieren sind und weil Palästina nun eben einmal ein Kolonisationsland ist, abhängig von seinem Mutterland Europa-Amerika. Diese hieikle politische Situation 'fordert doppelte politische Umsicht des Arbeiters. Und ist Umsicht schon Verrat —? Man weiß dieser schwierigen Situation in der Chaluzbewegung nicht gerecht zu werden. Die Gefahr für die Bewegung, die sich aus dem Lohnkampf — alias Klassenkampf — ergibt, wird durch die Reaktion 21