Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 2 (1929-1930)
- Issue
- Heft 1 (März 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Unter diesem Aspekt gibt es keine Frage mehr nach der Zusammengehörigkeit der zionistischen Gruppen, gibt es nur noch die Frage der geistigen Aufklärung, der Propaganda. Propaganda, d. h. nicht die Werbetrommel für seine spezielle Richtung rühren, sondern Appell an zionistische Gesamtverantwortung. Die Bewegung ist aber nicht nur gefährdet, weil man nicht den Kreis dieser Gedanken geschlossen, sondern mehr noch, weil man den vorbereitenden Gedanken die soziologische Bestimmung der jüdischen Jugend aufgenommen und damit ein Fatum besiegelt hat — und nichts weiter. Zwingen uns denn die Tatsachen wirklich zu jener Erkenntnis, daß Chaluziuth nahezu ausschließlich von Menschen erfüllt werden kann und erfüllt worden ist, die in jener eingangs skizzierten soziologischen Not sich befinden. Vielleicht ist diese ganze Vorstellung nur eine nervöse Erscheinung, hervorgerufen durch die Veränderung der Formen im Aufbau des Landes? Hier muß Klarheit geschaffen werden. Das unterirdische Schwelen dieses Gedankens im Hechaluz (der sich in diesem Punkt eng mit dem radikal Privatinitiativen Flügel des Zionismus berührt) bei gleichzeitiger offizieller Verherrlichung des Chaluz in usum delphini (oder besser in usum populi) demoralisiert Bewegung und Idee. Die Klarheit, die hier vonnöten, kann aber die Jugend nicht allein schaffen, sie bedarf des Einsatzes aller palästinensischen Erfahrungen. Es gilt einmal statistisch zu erfassen, wieviel bürgerliche Juden den Weg zur Chaluziuth gefunden haben, an welcher Stelle des Landes sie zur Zeit sich aufhalten und welchen Beruf sie dort ausüben. Und sogar bei den nach Deutschland Zurückgekehrten sollte man prüfen, wieviel davon Anspruch auf ein3 neue Alijah erheben und inwiefern sie bei ihrer zweiten Alijah nach Erez Israel ihr Leben anders zu gestalten gedenken* als bei der ersten. Die vielen platonischen Liebeserklärungen, die von offizieller zionistischer Seite der Chaluzbewegung dargebracht werden, sollten einmal verbucht werden mit einer praktischen, geistigen Unterstützung zur Klärung der Situation. Man sollte den Mut haben, den Tatsachen ins Gesicht zu schauen, eine Untersuchungskommission einzusetzen, an der Vertreter aller Richtungen, in erster Linie des Hechaluz. selbst beteiligt sind, und denen sämtliche Archive zugängig gemacht werden. Diese Arbeit bedarf nicht nur intensiver Untersuchungen, sondern ist letzten Endes auch ein finanzielles Problem. Man sollte jedoch hierfür keine Mittel scheuen, um auf Grund so gesammelten Tatsachenmaterials die Situation zu klären und auf Grund der hier vorgefundenen Ergebnisse die Aufgabe für die junge zionistische Generation durchzuführen. Der Gedanke einer zionistischen Jugendbewegung ist klar und einfach. Das Grundprinzip der Jugendbewegung ist Kongruenz von Denken und Handeln. Gerade der schreiende Widerspruch, in dem die ethischen Anschauungen des Bürgertums zu den praktischen Dingen des Lebens standen gab den Anstoß zur Schaffung der Jugendbewegung. Die deutsche Jugendbewegung hat das Leben nicht neu gestaltet, weil ihr kein© Möglichkeiten zur Verwirklichung ihrer Ideen gegeben waren; denn der Druck der Umwelt durch die Jahre nach der Zeit des hündischen Zusammenschlusses waren stärker als die in der Jugend genossene Erziehung. Aber gerade der zionistischen Jugendbewegung war ein ideales Betätigungsfeld gegeben., bei ihr konnte sich Denken und Handeln decken, sie konnte durch ihr Leben die Zionsidee verwirklichen. Wohl in uns allen lebt der Wunsch, diese Untersuchung möge ein positives Ergebnis haben und zeigen, daß keinem Teil der jüdischen Jugend durch seelischen oder ökonomischen Zwang der Weg zur Chaluziuth versperrt ist. Und wenn doch —? So müssen wir der Situation stand- 23