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Der junge Jude · 1929-03-01 · Heft 1 (März 1929) · page 22

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der junge Jude
Volume
2 (1929-1930)
Issue
Heft 1 (März 1929)
Date
1929-03-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
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suchen sie Entlastung für die Vorwürfe, die sie sich trotz allem Zwange unter dem sie zurückschichten mußten, doch noch machen. Wenn man will, ist auch das eine dritte Generation, denn soweit sienicht nach Moskau, ins Kaffeehaus, oder in andere Schlupfwinkel verschwunden sind, leisten sie wichtige zionistische Arbeit. Aber da ist nichts von Geradlinigkeit, und auch nichts von Unbelastetheit. Es ist nicht die ihnen adäquate zionistische Leistung, es bleibt gerade für die Besten ein Palliativ. Hier finden wir typischerweise die vielen Juristen, und Mediziner, die immer noch versuchen, ihre Alijah-Möglichkeiten sich selbst und ihren Freunden glaubhaft zu machen, weil sie daran glauben müs sen. Zahlen, die ihnen die Aussichtslosigkeit ihrer Hoffnungen beweisen könnten, müssen sie übersehen, denn sie hängen sonst in der Luft. Was wird aus ihnen? Noch weit weniger erfreulich sind die anderen Menschen ,dieses Alters. Es sind vor allem die Theoretiker des Galuthzionismus. Das sind junge Menschen, denen das seelische Kunststück gelungen ist, in einer Bewegung zu leben, ohne deren erste Forderung überhaupt an sich herantreten zu lassen. Man muß es wieder einmal einfach aussprechen: Zionismus ist kein politisches Bekenntnis, das man ablegen oder verweigern kann. Zionismus ist eine Sache, die das Recht und die Kraft hat, den ganzen Menschen zu erfordern und zu erfüllen. Wem der Zionismus nicht ganz und gar zum Motor seines Lebens gelworden ist,, der ist kein Zionist, der bleibt ein Assimilant. Ein junger Mensch, dem Zionismus noch nicht einmal der Wunsch nach persönlicher Erfüllung und jüdischer Erfüllung ist, der allerdings kann vielleicht einige interessante Studienjahre hindurch ein eifervoller Diskussionsredner sein, die Frage nach Alijah und Chaluziuth braucht er sich nicht zu stellen, sie stellt sich ihm nicht. Aber hier müssen wir uns deutlich und klar abgrenzen. Wenn heute junge Zionisten eine solche Haltung zei'gen,., dann haben wir nicht nur das größte Mißtrauen zu ihrem künftigein zionistischen Weg — denn sie werden nicht dabei bleiben, weil sie nicht für immer von innen her müssen — sondern wir müssen ihnen auch sagen, daß für uns zwischen netten und ifeinen „Kameraden" und Dj- |, (3 ein und ihnen kein prinzoie 'er Unterschied besteht. Denn das ideologische Bekenntnis ist kein Unterschied, weil es wandelbar ist, und weil wir nicht glauben, daß auf rein bekenntnishafte Weise jemand Zionist bleiben kann. Sie haften uns weder durch Alter und Reife, noch weniger aber durch Mentalität und Lebensform für die Schwere ihres •zionistischen Erlebens, und damit auch nicht für die Beständigkeit ■ und Kontinuität ihres zionistischen Tuns. III. Das wäre etwa das Bild, das die dritte Generation bietet. Ganz kurz soll noch versucht werden, etwas auszusagen von der Generation, die dieser dem Alter nach folgt. Hier zeigt sich eine Krise des Zionismus entscheidender Art. Es trennt sich radikal der Weg der jungen Menschen aus ostjüdischen und westjüdischen Häusern. Man macht nicht , einmal mehr den Versuch, einen gleichen Weg zu beschreiten. Wenn., wir diese Tatsache feststellen, so bedeutet das in der Tat ein Stück. Resignation, denn wir geben damit viel tiefere Unterschiede zwischen. Ost- und Westjuden zu, als es uns Zionisten leicht ist, einzugestehen. Der Chaluznachwuchs ist nicht nur zahlenmäßig außerordentlich gering,, sondern er rekrutiert sich fast ausnahmslos aus ostjüdischen jungen Menschen. Die Bünde hingegen, deren Menschen aus westjüdischen Häu- 20

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