Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 2 (1929-1930)
- Issue
- Heft 1 (März 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Wir sind bei unserer kulturellen Qalutharbeit in einer Zwangslage. Wir haben nicht das Recht, uns ihr aus scheinbar gut zionistischen Gründen zu entziehen. Wir müssen es in den Kauf nehmen, daß die von uns geleistete oder mitgeleistete Ärbeit sich da und dort gegen uns selbst wendet. Die Doppelschneidigkeit unserer Qalutharbeit ist nur ein Beweis mehr, wie garantielos sie ist. Unser Vertrauen zur nationalen Werbekraft jüdischer Kulturgüter überwiegt. Die Möglichkeit der Äbtrünnigkeit vom Sinn unseres Daseins erhöht nur die Glorie der Freiwilligkeit unserer eigenen zionistischen Entscheidung. Max Mayer, REDE von SALMAN RUBASCHOW. Gehalten auf der Gründungskonierenz der Liga für das arbeitende Palästina. Wir wollen nicht auseinandergehen, bevor wir Praktisches geleistet haben. Freundschaftserklärungen hat die jüdische Arbeiterschaft Palastinas zur Genüge gehört, sie ist fast unter der Last dieser Freund*- Schaftsbeteuerungen zusammengebrochen Was heute nottut, ist nicht Kundgebung der Segnenden, sondern Zusammenschluß der Helfenden. Die schwere Krise, die die Idee der sozialen Neugestaltung Palästinas gegenwärtig im Zionismus erlebt, ist nicht als Resultat einer feindseligen Anwandlung gegen die Arbeiterschaft zu betrachten. Jeden» falls ist diese Gesinnungsäußerung nicht für die Majorität der zionististischen Bewegung und ihrer Wortführer charakteristisch. Manche der Zionisten werden diesen „neuen Kurs" blutenden Herzens mitmachen. Was manche von ihnen zum Umschwung veranlaßt, ist vor allem die Erkenntnis, daß neue Kräfte dem Werke gewonnen werden müssen, und daß zu diesem Zweck das Werk sich den Wünschen und Intentionen dieser neu zu gewinnenden Kräfte anzupassen hat. Wir Zionisten, sagen manche unter ihnen, — wir haben aus nationaler und idealistischer Gesinnung heraus das Werk des Arbeiterzionismus in Palästina voll zu schätzen verstanden und haben ihm mit Hilfe und Liebe zur Seite gestanden; aber jenseits der zionistischen Bewegung steht ein jüdisches Volk. Und dieses Volk findet keine Freude an euren sozialen Experimenten. Im Gegenteil, — fügen manche beinahe marxistisch zu — dieses jüdische Volk der Gegenwart, das draußen steht, dieses Volk der Händler und Vermittler, der Bankiers und der kapitalistischen Intelligenzler, dieses Volk, das jetzt dem Zionismus gewonnen werden soll, wie kann es überhaupt gewonnen werden, solange ihr in Palästina Arbeiterwirtschaft baut, genossenschaftliche Zellen bildet und der Verwirklichung einer sozialistischen Gesellschaftsordnung entgegensteuert? Freunde, ist das wahr, ist in der Tat das gesamte Jüdische Volk, das bis heute der zionistischen Benwegung aller Schattierungen fern geblieben ist, in der Stunde seiner Gewecktheit um nichts anderes besorgt als um die Wahrung der kapitalistischen Glückseligkeit und Unantastbarkeit des Heiligtums der Spekulation und der Exploitation? Ist es Wahrheit oder Verleumdung? Und wenn es Wahrheit ist, ist es füf alle Schichten und Kreise des nichtzionistischen Judentums gleich wahr? Auf diese Frage die Antwort zu erbringen, übernahm die Allgemeine jüdische Arbeiter-Organisation Palästinas. Der Yon ihr einberufene Weltkongreß und die ihm vorangehenden Landeskonferenzen für das 7