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Der junge Jude · 1929-03-01 · Heft 1 (März 1929) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der junge Jude
Volume
2 (1929-1930)
Issue
Heft 1 (März 1929)
Date
1929-03-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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abdrängen. Die zionistische Gallith bedarf eines organisch aufgebauten jüdischen Erziehungs- und Kulturwesens. Nicht nur, daß die Qaluthzionisten selbst dankbare Nutznießer dieser Ärbeit sind, sie kommt auch direkt und indirekt der zionistischen Palästinaaufbauarbeit zugute. Vor allem aber hat jüdische Kulturarbeit in der Galuth eine größere zionistische Werbekraft, als man gemeinhin anzunehmen gewillt ist. Mir scheint, daß wir in dieserRichtung noch außerordentliche Eroberungen machen können. Diese unsere kulturelle Galutharbeit führt uns, ob wir es wollen oder nicht, zur Kooperation mit Nichtzi o n i s t en. Es lassen sich heute nur in ganz besonderen und verhältnismäßig seltenen Fällen spezifisch zionistische Kulturinstitutionen aufrechterhalten. Wir sind auf Zusammenwirken mit den anderen angewiesen. Das hat sein Gutes: der Werberadius unserer Ärbeit wird wesentlich vergrößert. Aber auch Gefahren liegen darin: unser nichtzionistischer Partner geht unter ganz anderen Gesichtspunkten an die jüdische Kulturarbeit. Für ihn ist Kulturarbeit zwar auch nicht Selbstzweck, aber er sieht in ihr nichtr wie wir, Mittel und Brücken zur nationalen Wiederbelebung. Man kann und soll nicht leugnen, daß trotz der Verschiedenheit der Endziele es ein gutes Stück gemeinsamen Weges gibt Die Hemmung des fortschreitenden Assimilationsprozesses ist auch eine der primären Aufgaben unserer Kulturarbeit in der Galuth. Der Unterschied liegt aber darin, daß wir die Assimilation zwar auf gewisse Zeit für hemm- und einschränkbar, im Letzten aber doch trotz verzweifelter Anstrengungen für unaufhaltsam halten. Unsere Anstrengungen werten wir als retardierende Momente. Der Nichlzionist hingegen betrachtet den — im Grunde mit und ohne seinen Willen — fortschreitenden Assimilationsprozeß als eine freiwillige und bewußt angestrebte Synthese zwischen jüdischem und nichtjüdischem Geiste. Er fühlt sich dabei durchaus als Meister seines Schicksals. Die Synthese ist eine Mission» Das, wogegen wir uns auflehnen, ist ihm erstrebenswert. Was un> unwesentlich erscheint, gibt ihm den Sinn seines Lebens. Wir Zionisten sind also in unserer Kooperation mit Nichtzionisten in einer äußerst prekären Lage. Es ist so leicht, uns den Vorwurf zu machen, daß wir „nicht mit dem ganzen Herzen" bei dieser Arbeit seien, daß die „Hartnäckigkeit" unserer Galuthverneinung angesichts unserer verzweifelten Bemühungen um die Befestigung der Galuth eine psychologische Unmöglichkeit darstelle, daß wir nicht die berufenen Kulturarbeiter in der Galuth seien. Diese schiefe Stellung, die wir zweifellos in den Augen der Außenstehenden haben, ist eine absolute Konsequenz unserer zionistischen Anschauungen. Wie in vielem müssen wir auch hier die Charakterstärke bewahren, die nun einmal die hervorragendste zionistische Galuthtugend ist. Wir können und dürfen den seelischen Ursprung unserer Galutharbeit aus der Verzweiflung nicht leugnen oder verwischen wollen. Bindestrich- Judentum bedeutet uns nationaler Tod. 6

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