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Der junge Jude · 1929-03-01 · Heft 1 (März 1929) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der junge Jude
Volume
2 (1929-1930)
Issue
Heft 1 (März 1929)
Date
1929-03-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Deutung und Tragweite dieser Arbeit volle Klarheit verschaffen. Sonst wird das Doppelgesicht alles in und an der Galuth Geleisteten uns sehr bald vom rechten Wege abführen Sehr leicht verführen nämlich gewisse Anfangserfolge kultureller Galutharbeit zu einem unbegründeten Optimismus hinsichtlich der jüdischen Aufbaumöglichkeiten in der Galuth. Zu leicht vergißt man im Zuge hingebungsvoller Arbeit, daß all das kulturell Geschaffene, und mag es im Vergleich zu einem früheren trostloseren Zustand noch so groß und vielversprechend erscheinen, doch einer Voraussetzung ermangelt, ohne die es keine Garantie des Bestandes gibt: der nationalen Lebensformen. Da die Emanzipationsgaluth nationale Lebensformen nicht mehr besitzt und sie Kraft ihrer Natur nicht mehr besitzen kann, trägt alles hier Geschaffene den Stempel des Prophylaktischen. Unsere Galutharbeit erzeugt in uns durch das dauernde Ankämpfen igegen den Strom des umgebenden Lebens die große Tugend der nationalen Zähigkeit, vielleicht die wertvollste Errungenschaft all ^unserer Galuthanstrengungen, Sie fördert auch einen gewissen Judaisierungsprozeß der Galuth, dem aber in seiner nationalen Auswirkung ganz bestimmte Grenzen gesetzt sind. Die Aneignung eines jüdischen Wissens hat aber nur Wert, wenn es in motorisch w rd. Nur dann erzeugt es den jüdischen Erneuerungswillen. Die Erneuerung selbst kann bloßes Wissen nicht herbeiführen. Nun haben wir freilich großes Zutrauen zu jüdischem Wissen. Die den jüdischen Tatbeständen innewohnende Richtungskraft ist groß. Trotzdem aber müssen wir auch auf den Fall gefaßt sein, daß das Wissen wissen d h staatisch bleibt. Dann freilichtäuscht es seinem Träger eine gewisse Selbstsicherheit vor, die von uns nwar sofort in ihrem hohlen Pathos und ihrer trostlosen Sterilität erkannt wird, die aber jenen Bewußtseinsdünkel großzieht, dem wir allenthalben in unserer Welt begegnen. Es gibt an sich nichts Kläglicheres als diesen Typ des jüdischen ,.Wissers4der tsich ja gewöhnlich zum „Besserwisser46 entwickelt. Er wird zu unserem erbitterten Feind. Seine „Judaisierung" wird ihm zum Verhängnis. Er verwechselt sein jüdisches Bewußtsein mit jüdischem Sein und sehr schnell erleben wir es, daß er Kulturinstiitutionen der Galuth, die durch unseren direkten oder indirekten .Anstoß, ja unsere Mitwirkung entstanden sind, als eben so viele Argumente gegen die zionistische Galuthverneinung verwendet. Ein geringes Maß jüdischen Wissens, verbunden mil einem großen Maß von uünkel reicht aus, um ihn gegen den Zionismus für alle Zeten immun zu machen. Er wird — aus Antizionismus — zum Deklarator der Galuthbejahung, allerdings ohne Wege weisen zu können, wie die Galuth die jüdische Erneuerung bewirken soll. Er meint ja auch gar nicht die Erneuerung, sondern einen gewissen Aufguß des jüdischen „Lebens", wozu die Kulturinstitutionen einer jüdischen Gemeinde gerade noch ausreichen. Nun dürfen aber Erscheinungen dieser Art uns Zionisten inicht in eine negative Stellung zur Kulturarbeit in der Galuth 5

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