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Der junge Jude · 1929-03-01 · Heft 1 (März 1929) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der junge Jude
Volume
2 (1929-1930)
Issue
Heft 1 (März 1929)
Date
1929-03-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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ser pessimistischen Anschauung Klatzkins bezüglich der Entwicklungstendenzen der Gallith kommt er hinsichtlich unserer Pflichten der Diaspora gegenüber doch zu folgenden Forderungen: „Es gilt, allen Tendenzen der Assimilation auf der ganzen Linie ihrer Wirksamkeit und ihrer meistens unbewußtan, aber weittragenden Auswirkung nationale Dämme entgegenzusetzen. Es gilt zu retten, was nur irgendwie gerettet werden kann; zu beleben was noch zu beleben ist Freilich vermögen wir nicht den Verfall unserer Kulturgüter im modernen Qaluth völlig aufzuhalten, müssen indes in mutiger Erkenntnis des Palliativcharakters der Aufgabe dieses Aufhalten als unsere vornehmste Gegenwartsarbeit in den Diasporaländern ansehen/' Aber noch mehr: Klatz&in erkennt — allerdings für eine kleine geistige Elite die Möglichkeit eines Galuthdaseins, wenigstens für die Zeit des Uebergangs, an. Er sagt: „Die Erhaltung eines nationalen Galuth erfordert ein starkes Geschlecht. Ein Geschlecht, das der Umwelt zu trotzen vermag und willig ist, Leiden eines ungleichen Antagonismus auf sich nehmen; das im Genuß der Gleichheit €in gewisses Maß der Selbstbescheidung, ja einer vielfachen Entsagung üben kann." Nur so kann eine Elite entstehen, „die die tausendfältigen Gefahren kennt, die auf uns in der Galuth lauern. Eine Volkselite der Geistes-Adligen, der Tapferen, der Opferbereiten, der Eiferer, der — wie sie zur Zeit des zweiten Tempels genannt wurden — Kannaim, Fanatiker; die nicht von einem bequemen Judentum im Exil träumen; die erkennen, daß Galuth niemals den Charakter der Fremde, der Heimatlosigkeit verlieren darf, verlieren soll, die wissen, daß Jude sein im Galuth heißt Märtyrer sein, heißt Kämpfer sein, heißt mit den Mächten der fremdnation^len Wirklichkeit unablässig streiten und das Los des Exils, alle Nachteile der Fremde um der Eigenart willen würdig tragen; die entschlossen sind, in Treue zum Eigenen und in Distanz zrn Fremden ein Leben eines selbstgewollten Ghettos zu gestalten." Dieser tragisch-heroische Charakter der Galutherhaltung birgt in sich schon eine Verneinung der Galuth als «ine Dauerform'1 (sämtliche Zitate aus „Krisis und Entscheidung"). Wir haben hier absichtlich drei in ihren Anschauungen stark voneinander abweichende Repräsentanten des Zionismus herangezogen, um zu zeigen, wie verschieden Galuth-Dasein und Galuth-Zukunft zionistisch beurteilt und gewertet werden. Diese Verschiedenheit in Beurteilung und Bewertung der Galuth richtet heute große Verwirrung an, und nicht nur etwa in unserer Jugend, sondern bis hinein in die zentralen Reihen zionistischer Führer. Die Tatsache, daß doch schließlich jede dieser zionistischen Theorien, gleichgültig unter welcher Begründung, objektive Arbeit an und in der Galuth fordert, ändert daran nichts Wert und Wesen objektiver Taten und Werke sind entscheiden abhängig von den Gesichtspunkten, unter denen sie geschehen. Wenn wir daher in und an der Galuth aufbauende und erhaltende Arbeit zu leisten verpflichtet sind, müssen wir uns über Be- 4

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