Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 2 (1929-1930)
- Issue
- Heft 1 (März 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Wiederaufbau des Landes voranzugehen. Achad Haam sucht keine Zufluchtstätte für die Judenheit, sondern zunächst nur für das Judentum, für den Nationalgeist, an dessen Aufbau und Ausbau sich sämtliche Juden in sämtlichen Ländern der Diaspora beteiligen sollen; diese gemeinsame Beteiligung soll ihrerseits eine geistige Annäherung der bis jetzt geographisch und geistig Getrennten herbeiführen und später durch die Einwirkung des Zentrums auf alle Punkte an der Peripherie eine Wiederverjüngung des Nationalgeistes und eine Wiedererstarkung des Zusammenf[ehörigkeitsgefühls in allen jüdischen Herzen nach sich ziehen. „Der Weg des Geistes")» Auch hier wird also wie bei Buber die jüdische Galuth in den Erneuerungsprozeß mit einbezogen. Die Galuth wird die neue Gemeinschaft in Palästina bauen helfen und dadurch direkt — sowie indirekt — durch die kulturelle Rückstrahlung Palästinas in den Erneuerungsprozeß einbezogen* Palästina ist das zunächst zu schaffende Herz, die Diaspora schaltet sich bei diesem Schaffensprozeß wie von selbst in den zionistischen Blutkreislauf ein und wird durch das Herz mitgespeist. Zwar werden die Diasporaglieder des zionistischen Organismus mangels objektiver Voraussetzungen zu einem volljüdischen Leben immer an gewisser Unterernährung leiden, aber sie werden immerhin soviel Säfte aus dem Zentrum an sich ziehen können, als sie zu einer, wenn auch geminderten, jüdischen Existenz nötig haben. Das Palästina aus den Kräften der Galuih aufzubauen ist, ist auch Jacob Klatzkins Meinung. Hingegen hält er die Rückstrahlungslehre Achad Haams für eine unbegründete Hoffnung* „Das Zentrum mag anfänglich Sonne und Brennpunkt der Nation sein, Strahlen nach den Exilländern aussenden und die versprengten Volksglieder beleben. Doch nur in der ersten Zeit wird es Licht und Wärme in die Ferne ausstrahlen. Seiner ganzen Anlage nach ist aber das Zentrum dazu angetan, das Erlöschen und Erkalten der peripherischen Volksreste zu begünstigen und eine vollwertige Assimilierung der aufgeteilten Diasporejudenheit tu beschleunigen." „Nach dieser Meinung wird gerade die Wiedergeburt eines national-geformten Judentums in Palästina die endgültige Einordnung der Exiljuden in den nationalen Organismus der „Wirtsvölker" wesentlich erleichtern. „Eine Kluft wird sich zwischen Palästina und der Diaspora auftun." „Es wird nur ein Entweder-Oder geben: Entweder Ganzjude, hebräischer Jude, oder alles andere als Jude." „Das Zentrum wird eine nationale Anziehungskraft besitzen, es wird der Diaspora viel Kräfte und Säite entziehen, nicht jedoch abgeben." Das jüdische Volk wird nach Klatzkin möglicherweise in zwei Gruppen zerfallen: ein jiddisches Volk in der Galuth und ein hebräisches Volk in Erez Israel, die sich infolge einer grundverschiedenen Entwicklung schließlich zu zwei Nationalitäten auswachsen werden. — „Es gibt schlechterdings keine nationale Brücke zwischen Palästina und Galuth, zwischen Zentrum und Peripherie." Aber trotz die- 3