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Der junge Jude · 1929-03-01 · Heft 1 (März 1929) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der junge Jude
Volume
2 (1929-1930)
Issue
Heft 1 (März 1929)
Date
1929-03-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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dieser Hinsicht alle Ideologen des Zionismus einig, daß die Gallith und die AufrechlerhaHung oder Wiederentfachung eines möglichst vielseitigen, jüdischen Galuthlebens von entscheidender Bedeutung gerade für das Gelingen des zionistischen Erlösungswerkes ist. Nichts ist irreführender als die Meinung, die zionistische Galulhverneinung bedeute einen freiwilligen Verzicht auf die Galuth und die in ihr aufgespeicherten Energien. Zum Beweis einige Zeugens Martin Buber bezeichnet Tin seiner dritten Rede über das Judentum) die Galuih mit all ihren . negativen Erscheinungen als einen besonders günstigen Boden für die absolute Erneuerung des Judentums, die er fordert. Er sagt: „Es will mir scheinen, daß für die Erschütterung von Grund aus, die ihm (dem Umschwung aller Elemente) vorangehen muß, die ungeheure Zerrissenheit, die schrankenlose Verzweiflung, die unendliche Sehnsucht, das pathetische Chaos vieler heutigen Juden ein günsligerer Boden sind, als das normale und zuversichtliche Dasein des Siedlers im eigenen Lande/4 Und an einer anderen Stelle sagt er ergänzend („Jüdische Bewegung"): Unsere Galufh-Kultur ist zerfallen, weil ihre Lebensformen zerfallen sind. Alle Versuche, an sie anzuknüpfen, müssen scheilern; das sind mit größerem oder geringerem Geschick unternommene Galvanisierungsexperimente, nichts weiter. Wir leben im Chaos- Doch wir fühlen, daß wir noch nicht zu sterben brauchen, daß wir noch nicht sterben können, weil unser Geist noch die Gewalt zu neuer Schöpfung hat. Diese Schöpfung aber kann nichts anderes sein als das Einzige, was alle Zeit aus der Auflösung einer Kultur hervorging, wenn die Gewalt noch lebendig wan religiöse Erneuerung. Ich habe bereits gesagt, daß deren Mutterboden nur „Die ungeheure Zerrissenheit, die unendliche Sehnsucht, das pathetische Chaos vieler heutigen Juden" sein kann. Jetzt und hier: in diesem fiebernden Land, in dieser schreienden Stunde wird das Heilige geboren." Und um diese Konzeption zu vervollständigen: „Wir haben von der Geschichte die (der Meinung Hermann Cohens) entgegengesetzte Lehre empfangen: Daß wir hier, in dem nicht von uns selber bestimmbaren Leben der Zerstreuung, das Judentum nicht verwirklichen können. Bekennen können wir hier, aber nicht tun; mit dem Dulden für Gott zeugen, aber nicht mit dem Schaffen; das Jobeljahr preisen, aber es nicht einführen" („Völker, Staaten und Zion"). Damit ist zwar die große Bedeutung der Galuth als Multerboden für die jüdische Erneuerung gewürdigt, aber zugleich auch die ihr gesetzte natürliche Grenze scharf umrissen. Einer ganz anderen flnschauungssphäre gehört Ächad Haams Lehre von der „Vorbereitung der Herzen" und der Rückstrahlung des „geistigen Zentrums" auf die Diaspora an. Nach ihm wird das jüdische Palästina durch die nationalen Willensenergieen der Galuthjudenheit aufgebaut. Zur Entfachung dieser Energieen ist eine geistige und seelische Vorbereitungsarbeit am Volke nötig. Die Wiederbelebung der Nation hat dem 2

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