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Der junge Jude · 1929-03-01 · Heft 1 (März 1929) · page 3

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Journal
Der junge Jude
Volume
2 (1929-1930)
Issue
Heft 1 (März 1929)
Date
1929-03-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DER JUNGE JUDE März-April 1929 2. Jahrg. Nr. 1 Adar 5689 ZUM PROBLEM DER ZIONISTISCHEN KULTURARBEIT IN DER GALUTH. Unsere Kraft reicht nicht hin, das Eigenschöpferische des judischen Volkes in den Ländern der Zerstreuung wiederzubeleben. Wer glaubt, daß wir diese Kraft noch besitzen oder hier wiedei erwerben können, befindet sich im Irrtum. Oder er weiß nicht, »ras unter der Wiederbelebung des Eigenschöpferischen zu verstehen ist: Nicht etwa — um nur von literarischer Schöpfung als klarstem Beispiel zu sprechen — Hervorbringung von Werken deutscher, französischer, polnischer Juden in deutscher, französischer oder polnischer Sprache, an denen sich die spezifisch jüdische „Nuance" oder „Haltung" nachweisen laßt, sondern Leistungen von Juden als natürliches Produkt eines jüdischen Gemeinschaftslebens und selbstverständlich in einer Sprache, die die besondere Sprache dieses Gemeinschaftslebens ist und die, um es grade heraus zu sagen, jüdisch d. h. für die deutschen Juden hebräisch sein muß. Alles was etwa an literarischer Leistung dieser Forderung nicht entspricht, muß als Surrogat und Halbheit empfunden werden. Wer also unter Erneuerung des Judentums die Wiederbelebung des Eigenschöpferischen versteht, die ohne starkes Eigenleben der Gemeinschaft unerreichbar bleibt, muß der jüdischen Diaspora die Fähigkeit absprechen, an sich selbst diese Erneuerung zu bewirken. Wäre diese Erkenntnis falsch, so wäre es nie zum Zionismus in seiner heutigen Form gekommen. Wir sind Zionisten, weil wir den Glauben an die schöpferischen Kräfte der jüdischen Zerstreuung verloren haben. Wir sehen weder eine Möglichkeit, in der Galuth dem religiösen Verfall durch Menschenhand Einhalt zu iun und so die religiöse Schöpferkraft unseres Volkes im bisherigen Äusmaß zu retten, noch auch können wir die Emanzipation und ihre gemeinschaftszersetzenden Wirkungen in einem Maße rückgängig machen oder paralysieren, daß die Wiedererlösung des Eigenschöpferischen in uns möglich wäre. Darum sind wir Zionisten. Unsere Verzweiflung an der Emanzipations-Galuth macht uns zu Zionisten. Das bedeutet aber durchaus nicht, daß wir daraus das Recht oder gar die Pflicht ableiten, die jüdische Diaspora ihrem trostlosen Schicksal zu überlassen, Im Gegenteil sind sich in 1

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