Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- Heft 5 (Juli 1928)
- Date
- 1928-07-01
- Page
- Seite 171 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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ansieht und zeigt, daß hier zunächst die Störung des Betriebes schon eine wichtige Aufgabe darstellt. Der Einfluß der bürgerlichen Welt beherrscht auch das Denken der meisten Sozialisten gewöhnlich mit Ausnahme desjenigen kleinen Gebietes, das unmittelbar auf den wirtschaftlichen Gegensatz der Klassen sich bezieht. Bernfeld unternimmt es, mit einer unerbittlichen und zugleich befreienden Strenge, diese sozialistische Erkenntnisweise auf andere, und sehr stark beherrschende Gebiete des Lebens zu übertragen und dort überall klar zu sondern, was dem Kampf des Proletariats förderlich ist von dem, was diesem Kampfe entgegensteht. „Ein kleiner Prophet" (Edmond Fleg: „Ein kleiner Prophet", Verlag Piper <& Co., München 1927.) Vor Jahresfrist erschien im Verlag Piper ein Buch, das bis heute von der zionistischen Jugend noch nicht genügend gewürdigt wurde: „Ein kleiner Prophet" von Edmond Fleg. Alle Probleme, alle Wirrungen des modernen Lebens, in die der junge jüdische Mensch hineingedrängt wird, sind hier aufgerollt. Der Dichter hat sich mit den bloßen Feststellungen nicht begnügt. Er versucht, für die jüdische Jugend in ihrer Stellung zum Judentum einen Ausweg zu finden, wenn auch die Schlüsse, zu denen er kommt, nicht voll befriedigen und keinen harmonischen Ausgleich bringen. Der Held des Romans, ein kleiner fünfzehnjähriger Junge, der, von Haus aus dem Judentum entfremdet, durch die Außenwelt auf seine x\nderssein gestoßen wird, ringt um die Erkenntnis seines Judeseins. „Was soll ich tun, um Jude zu sein?" Nirgend® findet er Antwort auf seinen Schrei. Er muß sich zu den elementarsten Begriffen über Juden und Judentum durcharbeiten. Niemand ist im behilflich. Die Eltern lachen über ihn, der jüdische Lehrer, an den er sich wendet versteht seine Fragen nicht: „Man ist Jude oder man ist es nicht.'1 Nur die Bücher, die er zufällig in die Hand bekommt, geben ihm etwas Aufschluß, die jüdische Geschichte, die er unmittelbar erlebt, so als ob er es war, dem es geschehen ist. Und er findet so den Zusammenhang zu dem vergangenen und zum lebenden Judentum. Doch einen Ausweg für sich selbst sieht er nicht. In seinen Träumen schaut er die Masse des Volkes auf seinem Marsche „zu den Bergen, die unsere Berge sind1* und die ihn ruft „Komm mit uns, komm mit uns!" und kann es nicht. Dtenn er ist zu sehr mit seiner Umgebung, mit dem Kulturkreis, in dem er erzogen wurde, verwurzelt. Zu einer Entscheidung kann er nicht kommen. Und so rettet er sich zu dem Gedanken: „daß Judesein heißt, „den Messias vorzubereiten, der Friede und Gerechtigkeit bringen wird'4. R. Das Moskauer Jüdische Akademische Theater Die Reise Benjamins des Dritten frei nach Mendele Moicher Sforim Abschiedsvorstellung am 16. Mai 1928 Das ist ein ganz großes, ganz einfaches Spiel vom Menschen und seiner Sehnsucht. Von der Sehnsucht nach der besseren Welt, nach dem gelobten Lande, nach dem Messias. Benjamin und Senderl, zwei arme Schlucker aus dem Nest Tunejadowka, ziehen aus, das Land der „Roten Juden" zu finden. Sie kommen bis zur Nachbarstadt; dort im Gasthof, nachts, haben sie einen Traum von ihrer Ankunft am. Ziel. Am nächsten Morgen, von ihrem Traum erwacht, ziehen sie weiter und kommen wieder nach Tunejadowka. Das ist der ganze Inhalt des Stückes. Diesen Inhalt hat Alexis Granowsky in Szene gesetzt. Mit Musik, 171