Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- Heft 5 (Juli 1928)
- Date
- 1928-07-01
- Page
- Seite 169 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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Menschen, die zu jüdischen Zielen eine leidenschaftslose „abgeklärte41 oder ungeklärte Beziehung haben, zusammen und macht ihnen durch diese Zusammenfassung die Tatsache ihres Judeseins immer wieder bewußt. Wir glauben ernsthaft, daß dies eine sehr wesentliche Funktion darstellt. Wenn es keinen neutralen Verband gäbe, müßte man ihn erfinden. Wir müssen aber dann Einspruch erheben, wenn sich der neutrale Verband kraft seiner Zahl als die jüdische Jugend in Deutschland konstituieren will. Es ist ein offenes Geheimnis, daß in Dresden sowohl mit dem Kadimah als auch mit den Kameraden und dem Aelteren-Bund dieser Kameraden Verhandlungen über eine Zusammenarbeit und ein Zusammengehen stattgefunden haben. Wenn wir richtig unterrichtet sind, so haben diese Verhandlungen nur mit dem Kadimah zu einem positiven Ergebnis geführt. Wir hätten gegen einen Zusammenschluß der genannten Bünde nichts einzuwenden und man würde sich vermutlich auch nach diesem Einwand nicht richten. Wir wenden uns aber gegen eine Ueberspannung des Neutralitätsgedankens, der in dieser Neutralität einen Wert sehen will. Die Jugendbewegung nach der Revolution, und insbesondere die jüdische, hat sowieso schon sehr viel von dem verloren, was sie gesellschaftlich wichtig in dem Sinne gemacht hat, daß sie gesellschaftserneuernd wirken sollte. Setzt man jetzt noch den Neutralitätsgedanken als Ziel des einzelnen Bundes, erspart man dem sowieso schon nicht mehr unruhigen Jugendlichen auch noch den Kampf mit den einzelnen jüdischen Richtungen und lehrt man ihn, daß dieses Ueber-den-Richtungen-Stehen wertvoller ist als ihnen zu dienen, glaubt man weiterhin, daß auch die Lebensform der Jugendbewegung keine Bedeutung hat, so stellen derartige Zusammenschlüsse eine vollkommen befriedete Atmosphäre her, die niemals die Erschütterung hervor- Tuien kann, die nun einmal eine notwendige Voraussetzung jeder Entscheidung ist. Und seien wir uns doch darüber klar: es entspricht einer tiefen soziologischen Gesetzmäßigkeit, daß diejenigen Jugendbünde, die in ihren Forderungen ganz innerhalb der bürgerlichen Welt und ihrer Lebensformen verhaftet bleiben, die die Entscheidung des Einzelnen ersparen und das Ersparte 'nicht nur vom Standpunkt der Seelenökonomie, sondern auch vom Standpunkt der „jüdischen Ethik" als wertvoll erscheinen lassen, in einer Welt wie der unsren immer die größte Zahl haben werden. Diejenigen Gruppen, die diese Seelenökonomie nicht beobachten, die sich nicht in jeder Beziehung mit der herrschenden Gesellschaft solidarisch erklären, v/erden immer gering an Zahl sein. Deshalb haben die sich ideologisch bekennenden Bünde mindestens ein solches Gewicht wie die Anhänger des Neutralitätsgedankens, deren Zahl immer groß sein wird, wenn der Mut zur Entscheidung klein ist. Wir wünschen daher dem Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands, daß er seine Arbeit fortsetzt. Wir wünschen der jüdischen Gesellschaft in Deutschland nicht, daß dies die alleinige Jugendarbeit werde. Die Schulgememde und ihr** Funktion im Klassenkampf*) von Dr. Siegfried Bernfeld. Siegfried Bernfeld hat ein Buch unter dem hier angegebenen Titel soeben erscheinen lassen, das als ein wichtiger Beitrag zu der Frage der Bedeutung des Erziehungswesens für den Sozialismus zu gelten hat. Es ist bekannt daß Bernfeld besonders in seinem Buche „Sysyphos" sich sehr skeptisch über die Bedeutung der „neuen" Pädagogik für die Herbei- *) Schriftenreihe „Neue Menschen". Herausgegeben von Dr. Max Adler, E. Laubsche Verlagsbuchhandlung G. m. b. H., Berlin W 30. 169