Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- Heft 5 (Juli 1928)
- Date
- 1928-07-01
- Page
- Seite 168 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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-wenig übrig bleibt. Vor allem hat dieser Kampf den Menschen so geändert, daß er die Fähigkeit verloren hat, irgendeine Arbeit zu leisten, die nicht im Zusammenhang mit seinem Berufe steht. Das ist der Grund des Zusammenbruchs des westeuropäischen Zionismus, der sich ja nicht aus ■der wirtschaftlichen Lage dieses Judentums ableiten läßt. — Dieses ist letzten Endes auch der Grund, warum Tausende junger Menschen ohne jedes Ergebnis durch die 3ugendbünde und durch den J. J. W. B. hindurchgegangen sind. Darum wird es darauf ankommen, auf diesem Bundestage dem Gedanken der Chaluziuth neue Kraft zu geben. Die jüdische Arbeiterschaft des Landes hat die Krise überwunden. Sie wartet auf neue Kräfte. Wie wird der Bund für eine neue Alijah vorbereitet sein? Nur wenige Menschen des J. J. W. B. haben sich im Lande eingelebt und die notwendigen Bindungen mit Arbeit und Land gefunden. Neue Formen der Alijah und neue Formen des Hineingehens in die Arbeit im Lande müssen gefunden werden, wenn ein Kreis von J. J. W. B.-ern geschaffen werden soll, der in der Lage wäre, immer wieder Glieder des Bundes, die ins Land kommen, aufzunehmen. Wenige Tage sind vergangen, -seit das Pamphlet der Jewish Agency erschienen ist. Jüdische Notabein scheinen das vollenden zu wollen, was der amerikanische Zionismus seit dem Kongreß zu tun begann: die vollkommene Niederzwingung der Arbeiterschaft. Der Bund muß fühlen, worum es hier geht. Hier handelt es sich nicht nur um einen Kampf um Kwuzah, um Moschaw, um Keren Kajemeth und um jüdische Arbeit. Hier geht es um den ganzen Zionismus. Seine letzte Kraft muß der Bund aufbieten, um gegen diesen schändlichen Plan einer Gesellschaft satter Kapitalisten zu kämpfen. Der bürgerliche Zionismus soll wissen, daß es noch eine Jugend gibt, die gewillt ist, die Arbeiterschaft vor diesem Verrat zu schützen und nicht nur zu schützen. Diese Juge'nd wird Kräfte im jüdischen Volke werben, die eine Erneuerung des Zionismus herbeiführen werden. Jugend um uns herum Vorbemerkung. Wir wollen unter dieser Ueberschrift von Zeit izu Zeit Fragen der jüdischen Jugendbü'nde in Deutschland und der allgemeinen Jugendbewegung kurz beleuchten. Zu Pfingsten fand in Dresden der Delegiertentag des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands statt. Diese Tagung beansprucht, als Tagung des stärksten jüdischen Jugendbundes mit über 10,000 Mitgliedern, unser besonderes Interesse. Die Zusammenkunft verlief äußerlich recht gut mit einer Reihe von Referaten von Menschen, deren Namen im allgemeinen jüdischen Leben einen Klang haben und die man sich gern für derartige Gelegenheiten ,verschreibt". Der Delegiertentag stand unter dem Protektorat eines Ehrenpräsidiums von jüdischen Persönlichkeiten, die in einer Liste aufgeführt und veröffentlicht worden sind, in der von jeder Person angegeben war, welche Ehrenämter und Funktionen sie im jüdischen Leben bekleidet. Wir wenden uns nicht gegen diese Personen, sondern gegen den Bruch mit den ganz bescheidenen Traditionen der jüdischen Jugendbewegung, die darin bestanden, Menschen gewöhnlich nur als Menschen mit ihren Namen und nicht mit ihren Aemtern und Titeln aufzuführen und der eigenen Bewegung durch die Titel der Protektoren einen besonderen Glanz zu erborgen. Wir übersehen dabei keineswegs die Verschiedenheit des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands von den übrigen Jugendverbänden und verhehlen auch keineswegs, daß der neutrale Verband eine solche Identität auch nicht erstrebt. Der neutrale Verband erfüllt im jüdischen Leben Deutschlands eine ganz bestimmte gesellschaftliche Funktion: er faßt 168