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Der junge Jude · 1928-07-01 · Heft 5 (Juli 1928) · p. Seite 159

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Journal
Der junge Jude
Volume
1 (1927-1928)
Issue
Heft 5 (Juli 1928)
Date
1928-07-01
Page
Seite 159 (sequence 25)
Language
German
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sein. Vielleicht wird es auch, noch mal so werden. Am sogenannten Kasino „Gale' Aviv" mußt du allerdings vorbeisehen; das ist ein Monstrum, bei dem man höchstens seine Absonderlichkeit bewundern kann. Dafür ist aber der Blick auf Jaffa besonders schön. Wie sich hier die Stadt auf einer gewölbten Felsenklippe in das Meer hineinschiebt, wie organisch sie mit der Landschaft verbunden ist, das zeugt von gewachsenem Leben. So weit sind wir in Tel Aviv noch nicht. Nein, Baden ist augenblicklich noch nicht zu empfehlen. Dazu ist es noch etwas zu kalt, obwohl du auch jetzt einige Unentwegte im Wasser siehst. Aber warme Seebäder kannst du drüben in der Badeanstalt nehmen. Die See hat einen Salzgehalt von 3 bis 4 Prozent und ist ein stärkeres Solbad als manche deutschen Solbäder. Dir sind die Straßennamen aufgefallen. In ihnen zeigt sich natürlich auch der jüdische Charakter unserer Stadt. Voran stehen natürlich Vorkämpfer der zionistischen Bewegung wie Herzl, Tschlenow, Trumpeldor, Moses Heß, Nordau daneben auch nichtjüdische Förderer wie Allenby, Balfour, ferner geistige Vorkämpfer und Kulturträger wie Achad Haam, Elieser ben Yehuda, Bialik: sie alle haben hier in Tel Aviv einer Straße den Namen gegeben. Aber auch die jüdische Geschichte ist hier vertreten: vom Propheten Jona, der ja hier von Jaffa aus zu Schiff verschwinden wollte, über die Makkabäer bis zu Jehuda Halevy und schließlich Lilienblum sind zahlreiche Namen aus der Geschichte hier verewigt. Daneben gibt es natürlich örtliche Bezeichnungen wie Petach- Tikwah-Straße, Jarkonstraße, Karmelstraße, oder symbolische Bezeichnungen wie Geulahstraße. Doch, es gibt auch schon Viertel mit besonderem sozialen Charakter. Schchunath Tschlenow z. B. gilt als eine ärmliche Proletariergegend, während Tel Nordau als ein Beamtenviertel angesehen wird. Man sagt ironisch, daß dort die Mopsim2) wohnen, das sind aber in diesem Falle keine Kommunisten, sondern die Morim (Lehrer), Pekidim (Beamten) und Sofrim (Schriftsteller). Nicht gesehen hast du bisher die Barackenviertel. Trotzdem augenblicklich eine ganze Anzahl Wohnungen leer stehen, wohnen noch Tausende von Menschen in recht primitiven Baracken. Nun trinke aus- Die Sonne taucht schon ins Meer. Gleich wird es dunkel sein. Wir wollen nach Hause gehen und ein andermal unsere Spaziergänge fortsetzen. GEORG LUBINSKI: SOZIALISMUS UND NATIONALISMUS II. Bemerkungen zu Otto Bauer: „Die Nationalitätenfrage und die Sozialdemokratie/'1) Wir haben im Vorigen die Ansicht Otto Bauers zur Frage der Nation im allgemeinen gekennzeichnet und wollen uns jetzt den besonderen Ausführungen zuwenden, die Otto Bauer der Judenfrage gewidmet hat. 2) Abkürzung von Miphlegeth Pralim sozialistim (sozialistische Arbeiterpartei), die sich zur 3. Internationale rechnet. A) Vgl. Nr. 4 dieser Zeitschrift. 159

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