Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- Heft 5 (Juli 1928)
- Date
- 1928-07-01
- Page
- Seite 158 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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wirklich etwas zu tun. Wir sind hier, nachdem wir den nach Jaffa führenden Schienenweg überschritten haben, an die Straße Jaffa— Tel Aviv gekommen. An dieser Straßenkreuzung herrscht ein besonders lebhafter Verkehr und du siehst dort gleich einen ganzen Verkehrsposten. Der Verkehrsschutzmann steht genau so wie in New York, London oder Berlin; das ist alles internationale Schule. Er ist genau so dressiert wie die Verkehrspolizisten in anderen Weltteilen, macht die gleichen Handbewegungen. Daneben sitzt ein anderer, der die Verkehrsbelastung der Straße nachprüft. Er notiert jedes vorbeikommende Gefährt. Die Polizei besteht, ebenso wie alles andere in dieser einzigen jüdischen Stadt, aus Juden; nur einige Engländer sind darunter. Die Polizei ist eine städtische Einrichtung, die aber unter der Aufsicht der englischen Kegierung steht sich und ihrem Oberbefehl unterzuordnen hat. Hier ist wieder große Autoansammlung; von hier gehen nämlich die Autos nach Petach Tikwah und nach anderen nördlichen judäischen Kolonien. Wir wollen jetzt einen Autobus besteigen, der uns schnell zum Meere bringen soll. Augenblicklich ist noch genügend Platz, aber du siehst, wie schnell sich der Autobus füllt. Gleich werden wir abfahren. Vorher wird aber kassiert. Du erhältst einen Fahrschein, den du gut aufbewahren mußt, denn es wird unterwegs öfter kontrolliert. Also wie in Europa. Nur daß die Beamten keine Uniformen tragen, sondern aussehen wie gewöhnlche Menschen. Wir fahren jetzt die Petach-Tikwah-Straße herunter, kommen nun durch das Tschlenow-Viertel. Die Straße hier heißt Alijahstraße. Sie ist die Verlängerung der Allenbystraße, in die wir jetzt gelangen. Wir sind hier wieder in der Nähe des Bahnhofs, wo wir vorhin waren. Nun aber biegt das Auto gleich rechts ein, wir gelangen in die Jawnestraße und befinden uns in Lew Tel Aviv, einem neueren, ganz europäischen Wohnviertel. Dort ist die Redaktion des Davar, im gleichen Hause mit der Waadath Hatarbuth, daneben das Konservatorium Sulamith. Das große Gebäude, das den Blick dort hinten am Ende der Straße aufhält, ist das neue Hadassah- Spital, das vor 1^ Jahren schon genau so unvollendet war wie jetzt. Davor steht das große Ambulatorium der Krankenkasse, wo du gerade lebhaftes Kommen und Gehen siehst. Wir biegen jetzt wieder in die Allenbystraße ein. Wirf schnell einen Blick nach links; da ist die Große Synagoge, die gar nicht so viel anders aussieht, als die in der Fasanenstraße in Berlin, nur daß diese hier dem Stadtbild eine charakteristische Note verleiht. Ihre jetzt endlich mit Kupfer gedeckte Kuppel ist weit sichtbar. Jetzt kommen wir an unsern kleinen „Potsdamer Platz". So nennen wir jetzt den Verkehrsmittelpunkt an der Einmündung der Nachlath Benjamin in die Allenby, von dem auch noch die Karmelstraße und die Baale Melachahstraße ausgehen. In der Mitte steht teils der Verkehrsschutzmann, teils ein Euthenberg-Transformator. Hier kommen wir wieder in die große Hauptverkehrsader, die von der Herzlstraße über die Nachlath Benjamin zur unteren Allenbystraße führt. Dort siehst du schon das Meer. Und siehe da! Wir sind angelangt. So schön hättest du dir den Blick von hier nicht vorgestellt0? Ja. das ist unser „Jam", und mit einiger Phantasie kannst du dir einbilden, auf der Kurpromenade am Strande eines Badeortes zu 158