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Der junge Jude · 1928-07-01 · Heft 5 (Juli 1928) · p. Seite 157

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Journal
Der junge Jude
Volume
1 (1927-1928)
Issue
Heft 5 (Juli 1928)
Date
1928-07-01
Page
Seite 157 (sequence 23)
Language
German
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nur die Wanderjugend. Das hat sich für das hiesige Klima nun mal als praktisch herausgestellt und wird heute, besonders im Sommer, auch von der bürgerlichen Welt bevorzugt. Immerhin gibt es noch genug Männer mit geschlossenen Wäschekragen und langer Krawatte, die man hier scherzhaft „dag maluach" (gesalzener Fisch) nennt, wegen ihrer länglichen Form. Die Frauen bevorzugen leichte, ärmellose Kleider, die sich übrigens kaum von europäischen Sommerkleidern unterscheiden. Das Hauptmerkmal für die verschiedenen Gesellschaftsklassen unter den Frauen bildet das Schuhwerk. Die Poaloth tragen flache Sandalen oder leichte Schuhe mit flachen Absätzen, die bürgerlichen Frauen konkurrieren in der Eleganz der Schuhe und der Höhe der Absätze erfolgreich mit ihren Genossinnen in Paris. Auch die Eubaschkah, die Eussenbluse, die besonders in den sowjetfreundlichen Kreisen des Gdud bevorzugi; wird, aber nicht darauf beschränkt ist, taucht häufiger auf. Nicht selten siehst du gegenüber diesen „modernen" Typen den Misraehjuden mit Kaftan und Pejoth, hier in Tel Aviv seltener als z. B. in Jerusalem. Allerdings sind hier weniger junge Leute unter denen, die diese traditionelle Tracht festhalten. Dort drüben gehen ein paar Jemeniten heftig gestikulierend die Straße entlang, kleine, magere, braune Gestalten mit tiefschwarzen Haaren, aber kräftig und sehr leistungsfähig. Du dachtest, daß die Jemeniten arabisch gekleidet sind? Nun, hier in Tel Aviv und meines Wissens auch anderswo haben sie sich schon sehr stark europäisiert; besonders die jemenitische Jugend, die die städtischen Schulen besucht, hat sich dem abendländischen Typus in Tracht, Gewohnheiten, Sprache schon sehr weit angeglichen. Weniger sieht man hier in Tel Aviv die charakteristischen Typen anderer orientalischer Juden, der Bueharen, Perser oder Negerjuden. Die Sphardim, die es hier reichlich gibt, unterscheiden sich kaum noch von den Aschkenasim. Araber gibt es hier auch; zwar wohnen wohl nur wenige Araber in Tel Aviv, aber sie beteiligen sich am geschäftlichen Leben. Du siehst hier europäisch gekleidete Araber, nur durch den roten Fez und allerdings durch ihr rassemäßiges Aussehen erkennbar, hübsche Menschen übrigens darunter; du siehst aber auch Fellachen und Beduinen mit ihren Kefijoth, den großen wallenden weißen Kopftüchern. Die Engländer, die als Beamte und in der Polizei in geringer Zahl hier sind, fallen durch ihre Blondheit und Größe und durch ihre sehr korrekt europäische Kleidung auf. Du meinst, daß nach der Blondheit zu urteilen, recht viele Engländer hier zu sein scheinen? Nun, diese blonden Exemplare der Gattung Mensch sind meist doch Juden. Der europäische Jude bekommt hier auffallend blonde Haare, auch die Kinder sind hier blonder als die jüdischen Kinder in Europa. Man sagt, daß die palästinische Sonne „bleicht". Das ist freilich eine sehr laienhafte Vorstellung. Die Sonne bräunt vielmehr hier genau so wie wo anders. Sie bräunt aber vor allem die Haut, die dadurch, sich vor der Sonnenstrahlung schützt. Durch die Bräunung der Haut wird aber die Bildung von Pigment so in Anspruch genommen, daß für die Haare nicht mehr genug übrig bleibt. So erklärt es sich, daß hier die Juden mehr gebräunt, aber dafür blonder aussehen. Verkehrspolizei gibt es hier natürlich auch; wir haben hier alle modernen Errungenschaften. Die Verkehrpolizei hat aber hier 157

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