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Der junge Jude · 1928-07-01 · Heft 5 (Juli 1928) · p. Seite 156

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der junge Jude
Volume
1 (1927-1928)
Issue
Heft 5 (Juli 1928)
Date
1928-07-01
Page
Seite 156 (sequence 22)
Language
German
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der Stadt- Dort befindet sich, die Hauptpost. Hier an der Ecke das große Gebäude ist das Hotel Palatin, das eleganteste Hotel der Stadt, vielleicht ganz Palästinas. Wir sind jetzt im Mittelpunkte des Straßenverkehrs. Gleich werden wir in die Herzlstraße kommen, die noch immer die verkehrsreichste ist, wenn sich auch der Straßenverkehr allmählich mehr in die Nachlath Benjamin und in die untere Allenby zieht. Hier rechts das Herzl-Gymnasium, das den Abschluß der Herzlstraße bildet, der es quer vorgelagert ist. Es gibt dem Blick aus dieser Hauptstraße einen hübschen Ruhepunkt. Du bist überrascht über die Größe und Lebhaftigkeit des Verkehrs? Man sollte kaum denken, daß man sich in einer Stadt von etwa 40.000 Einwohnern befindet. Hier in der Herzlstraße ist ein Verkehr wie in einer deutschen Großstadt. Zu manchen Zeiten schwillt der Verkehr geradezu zum Gedränge an. Und nicht nur hier in der Herzlstraße, sondern von der Jaffa- bis zur Ailenbystraße ist ein lebhaftes Wogen und Treiben. Wie oft phantasiert man nicht, wenn man hier spazieren geht, über die Ursachen dieser wirklich auffallenden Erscheinung. Man sagt, daß der Jude eben Großstädter ist, lebhaft und unruhig, immer in Bewegung. Man sagt auch, daß hier mehr Leute auf der Straße sind, daß besonders abends das Straßenleben so groß ist, weil es noch an Bodenständigkeit, an Wohnungskultur und intimer Geselligkeit fehlt- Wieder andere schieben die Ursache auf die Arbeitslosigkeit, die viele Arbeitslose zum Nichtstun und Bummeln in den Straßen verleitet. Vielleicht ist an manchen dieser Gedanken etwas Wahres, aber ich glaube nicht, daß sie wesentlich sind. Wir finden das starke Straßenleben ja überall im Orient als ganz natürliche Erscheinung. Das hängt wohl in erster Linie mit dem Klima zusammen. Wir haben nun mal meistens besseres Wetter als ihr in Europa. Das bißchen Regen im Winter — wenn es auch manchmal ganz kräftig vom Himmel herunterkommt — bedeutet doch nur eine kurze Unterbrechung unseres dauernden Sonnenscheins. Da bildet sich denn ein stärkeres Leben im Freien aus. Unsere Häuser sind auch geradezu daraufhin gebaut. Sie sind alle weit geöffnet, nicht so hermetisch abgeschlossen wie in Deutschland. Der Straßenhandel spielt eine weit größere Rolle. In den arabischen Städten findet ja der ganze Handel in offenen Buden statt. Und dort ist der Lärm, die Bewegung, die Unruhe, die Enge eine noch weit größere als hier in unserm vornehmen Tel Aviv. Dazu kommt nun hier noch der Touristenverkehr und die Geschäftigkeit, die mit dem Neuaufbau der jüdischen Heimstätte verbunden ist. Immerhin: ein wenig mehr linke und Beschaulichkeit wäre manchmal zu wünschen. Aber das liegt wohl wirklich den Menschen, die hier hergekommen sind, nicht. Es steckt eine große Vitalität in diesem Tel Aviv. Interessant ist es ja, die verschiedenen Typen im Straßenleben su beobachten. Die Vielgestaltigkeit unseres Volkes kommt auch im Straßenleben zum Ausdruck. Vorherrschend ist der Typ des jungen europäischen Arbeiters mit dem offenen Hemd, der durch einen Gürtel gehaltenen langen Hose und der englischen Mütze. Daneben sind aber kaum weniger Männer in vollkommen europäischer Kleidung vertreten, allerdings tragen auch sie sehr häufig das halsfreie Hemd, wie in Deutschland 156

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