Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- Heft 5 (Juli 1928)
- Date
- 1928-07-01
- Page
- Seite 154 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Gleichnisredner darüber gesagt hatten. Nur ein kleiner Junge machte sich vorsichtig an dich heran wie an eine Neuheit des Lebens, aber in den Augen aller anderen bleibst du gering und unwichtig. Nur kleine Zähnchen kauten dich und du schienst ihnen süß, du vergoldeter Brotlaib, der du lange Jahre auf die ganze Menge des Hauses Israel die süßen Sehnsüchte und das Gold aller Tränen herabgeträufelt hattest." Aus „Reschimoth" (Verlag „Dwir" Tel Awiw 1928) übersetzt von M. M. FRITZ NOACK: SPAZIERGANG IN TEL AVIV Steig nur aus, Arje, wir sind schon da. Du wunderst dich wohl, daß das der Bahnhof der Großstadt Tel Aviv ist. Ja, dem ist die Stadt buchstäblich über den Kopf gewachsen; er sieht aus, wie ein kleiner Dorfbahnhof. Auf der einen Seite ein Raum für die Stationsleitung, einschließlich Fahrkartenverkauf, auf der andern Seite ein Raum für Gepäckbeförderung; dazwischen ein offener überdachter Warteraum. Und dabei welcher Verkehr! Die Juden sind ein reiselustiges Volk, wie du siehst. Der Wandertrieb steckt ihnen noch in den Knochen. Dabei spielt das Reisen mit der Eisenbahn in Palästina gar keine so große Rolle. Nach Jerusalem z. B. wird man von hier aus kaum mit der Bahn fahren, obwohl die Fahrt durch die Schluchten des judäischen Gebirges sehr interessant ist. Aber man fährt meist mit dem Auto. Das ist nämliöh nicht viel teurer. Mit der Bahn kostet es 17^ Pt1), mit dem Auto 25 oder weniger, ja es verkehren schon Autobusse für 1234 Pt. Außerdem geht es erheblich schneller als mit der Bahn und man kann jederzeit fahren. Mit dem Auto fährt man morgens 'rauf nach Jerusalem und kommt abends nach Tel Aviv zurück. Das kann man mit der Bahn nicht machen. Auch nach den judäischen Kolonien — Petach Tikwah, Magdiel usw. im Norden, Rischon, Neß Ziona im Süden — fährt man nur mit dem Auto. Die Bahn dient fast ausschließlich dem Verkehr mit dem Norden des Landes, Haifa, Emek. Nun komm aber, wir wollen in die Stadt. Nein eine Sperre gibt es hier nicht. Die Fahrkarten werden nur im Zug kontrolliert. Wir gehen einfach über die Schienen, kommen auf einen Weg an der Bahnstrecke entlang. Dort drüben siehst du das rote Haus des Solel»boneh, hinter dem Bahnhof kannst du gerade noch die Ausstellungsgebäude erkennen; auf der anderen Seite siehst du das Ruthenbergwerk, dessen Türme in Tel Aviv, Haifa, Tiberias so etwas wie Wahrzeichen oder Charakteristika der Stadtsilhouette geworden sind. *) Nach dem Stand von Oktober 1927, vor Einführung der neuen Währung. 154