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Der junge Jude · 1928-07-01 · Heft 5 (Juli 1928) · p. Seite 152

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der junge Jude
Volume
1 (1927-1928)
Issue
Heft 5 (Juli 1928)
Date
1928-07-01
Page
Seite 152 (sequence 18)
Language
German
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JAAKOW STEINBERG; BROTLAIB Ein kraft- und phantasievoller Mann vollbrachte eine Art Heldentat, indem er etwas Angenehmes, Ueberrasehendes und Seltenes mit nach Hanse brachte: einen nicht großen länglichen Laib Brot, dessen obere Kruste etwa wie mattes Kupfer und dessen gerade Seiten goldbraun wie Zimmt waren. Mit etwas unsicherer Hand legte der Mann den Laib Brot auf den Tisch der Familie und im ersten Augenblick prangte er dort wie ein Spielzeug; die Hausfrau richtete auf ihn forschende Blicke, und der Aelteste, ein Junge von sieben Jahren, machte sich augenblicks vorsichtig aus der Spielecke heran, um zu sehen, was da geschieht. Ihm stand scheinbar jener besondere Instinkt der Kinder zur Seite, der sie unbewußt jede neue Sache, die sich in ihrer Umgebung anspinnt, ahnen läßt, — und nun kam er herbegehüpft, stellte sich aufrecht vor den Tisch und blickte begierig auf den Laib Brot, der sich unter den sonstigen Besorgungen des Marktes wie ein Fremdling aus fernem Lande ausnahm. Noch hatte keine Hand den Laib Brot berührt und der Augenblick des Erstaunens zog sich in die Länge; plötzlich stieß der Knabe den niedlichen Befehl eines verwöhnten Kindes aus: „Ich will das Brot schneiden!" Die Eltern halfen ihm bei der Ausführung, leiteten ihm die Hand, die das Messer hielt, und das Bäckerprodukt wurde zerschnitten und zeigte ein weiches, altgold-gelbes Herz. Das war ein feierlich-froher Augenblick: die Mutter und der Sohn rochen an dem Brot, legten die beiden Hälften von einer Handfläche in die andere, kosteten davon und rühmten Geruch und Geschmack; schließlich fragte die Mutter mit leiser Stimme, wie wenn sie nach etwas Wunderbarem fragte: „Was hast du heute für ein Brot gebracht?" Der Mann antwortete lächelnd, wie jemand, der sich ein bißchen schämt: „Das ist reines Brot, hergestellt aus dem Weizen,, der im Galil wächst." Im Galil, um dessen wenige Getreidefelder unendliche Ströme mächtiger Beden dahingeflossen waren, ist der gute Weizen gewachsen, aus dem das gelbe, schön aussehende und schmackhafte Brot gebacken wird; aber wenn du manchmal auf dem Verkaufstische eines Krämers einen so unscheinbaren Brotlaib siehst, wunderst du dich sehr über den Zufall, der dies Kleinod der Heimat sich an diesen Ort hat verirren lassen, und unwillkürlich wirst du erinnert an die ganze Menge des Hauses Israel, die ihre Wünsche, ihre Worte und ihre besten Träume verfälscht. Eljakum Zunser machte aus tausend unerfüllten Wünschen eines durch seine Armut wahnsinnig gewordenen Volkes einen einzigen naiven, etwas spöttischen, aber mächtig ans Herz greifenden Vers: „Im Pflug liegt Massel-Broche"; von ihm lernten und wiederholten alle jüdischen Töchter und naive Jungens Litauens, Weißrußlands und Ukrainesdieses geflügelte Wort des Liedes. Noch vor einer halben Generation klangen diese Worte wie die wahre Deutung des Volksbegehrs, jeder, der sie hörte, verstand sie wie die Essenz der Sehnsüchte einer stark ermüdeten Gemeinschaft, die um der letzten Wahrheit willen diesmal eine Sache ganz bescheiden und einfach sagte. Zugleich damit 152

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