Mannheim
Compact Memory

Der junge Jude · 1928-07-01 · Heft 5 (Juli 1928) · p. Seite 150

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der junge Jude
Volume
1 (1927-1928)
Issue
Heft 5 (Juli 1928)
Date
1928-07-01
Page
Seite 150 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3497353-3497354-3497359--172-3525895
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

FacMeute, die für die Wirtschaft notwendig und im Lande für den Meschek nicht zu finden waren, gebeten, in den Meschek als Kandidaten einzutreten, sie aber nicht als »Chawerim« aufgenommen. Herr Dr. Weltsch weiß offenbar nicht, daß gerade Meschek Ai'n Charod im Gegensatz zu anderen Formen der Kolonisation nicht Menschen aus dem Ausland aufnimmt, sondern nur aus dem Kibbuz. Auch dieser Eintritt erfolgt 'nicht izufällig, sondern auf Grund der Dauer der Erfahrung, die jeder einzelne Chawer aufzuweisen hat. Auch die Behauptung, »Ain Charod habe bereits mehr Chawerim als der Boden ernähren »kann«, entspricht nicht den Tatsachen. Im Jahre 1925 billigte die zionistische Organisation die Ansiedlung von 120 Familien für die Landwirtschaft. Im Laufe der letzten Jahre arbeiteten in Ai'n Charod 200 Chawerim 100 Familien in der Landwirtschaft, außerdem arbeiteten 70 Chawerim in den Werkstätten und beim Bau der Wirtschaftsgebäude. Die Situation in Ain Charod wird im Laufe der ganzen Jahre dadurch gekennzeichnet, daß selbst bei der größten Anstrengung Mangel an Arbeitskräften auf dem Meschek lastet und die Chawerim zu Anstrengungen zwingt, deren Folgen noch nicht abzusehen sind. U r i R o s e n b 1 a 11. DOW STOCK: JAAKOW STEINBERG Als vor einem Vierteljahr hundert eine Schar junger, kräftiger Sänger der hebräischen Poesie erstand, war es die Lebenskraft, die in ihr zum Ausdruck kam. Diese jüngste, in einer der ältesten Sprachen geschriebenen Dichtung forderte ihre Sänger, die ihr das Reich der Freude an Klang und Farbe, Baum und Berg, erschließen sollten. Bialik schwelgte in einer Flut von Licht, dem er in farbiger, allzufarbiger Sprache einen Päan erklingen ließ, özernichowski wandte sich dem Epos zu, Schneur hat den stolzen Bergen sein Lied gesungen. Abseits wandelte Steinberg, der Dichter der Reflexion, der stille, kummervolle Sänger des in einer geradezu ärmlichen, bild- und schwunglosen Sprache eingekleideten Gedankens. Wenn wir in seinen ersten Geschichten einem Wald und Bäumen begegnen, geschieht es zu jener Stunde, als ein Sturmwind über die Wipfel dahinrollt und die stolzen Kronen herzlos zur Erde beugt. Diese Baumkronen, die einer demutlosen, aber doch sich demütigenden Menschenseele gleich, ihren Blätterlippen einen stillen Seufzer entgleiten lassen, — wachsen zum Symbol des meschlichen Geschickes aus, angesichts dessen jedes Raisonnieren über Pracht der Blüten und Blätter oder über die Akorde des Windsturms höhnisch klingen muß. Die sichere Erkenntnis, daß die sich am erlösenden Werk abhärmende Generation ins finstere Grab steigt, ohne die Verwirklichung ihres Traumes zu sehen, tötet im Dichter jede innere Möglichkeit zum Dichter der Tat erporzusteigen. Der nagende Zweifel läßt ihn bei den verrammelten Toren des Lebens stehen und jede Mühsal sie einzubrechen, will ihm zwecklos erscheinen, da doch die Stunde der unbesiegbaren Demut unbedingt einbricht, um alle, die das Löben lieben und vom Leben gehaßt werden, unbarmherzig niederzuschlagen. 150

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.