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Der junge Jude · 1928-07-01 · Heft 5 (Juli 1928) · p. Seite 148

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Journal
Der junge Jude
Volume
1 (1927-1928)
Issue
Heft 5 (Juli 1928)
Date
1928-07-01
Page
Seite 148 (sequence 14)
Language
German
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Stimmen dilettantischer Statistiker, die Berechnungen über tausende von Arbeitskräften anstellen, die angeblich im Lande gebraucht, werden und deren Einwanderung sofort notwendig sei. Nach derselben Methode hat man im Herbst 1925 noch zehntausend Einwanderungszertifikate ausgegeben. Ich bin der Ansicht, daß man gerade im gegenwärtigen Zeitpunkt, nachdem knapp die furchtbare Arbeitslosenkrise überwunden wurde, sehr vorsichtig sein muß. Man darf nur solche Menschen einwandern lassen, bei denen begründete Aussicht besteht, daß sie in absehbarer Zeit im Lande wirklich verwurzeln können. Diese Bedingung ist aber nicht dadurch erfüllt, daß irgend eine Siedlung, z. B. En Charod, im Galuth bereits neue Chawerim aufnimmt. Die Chaluzim müssen wissen, daß dies keine genügende Fundierung darstellt, denn En Charod und die meisten derartigen Siedlungen haben bereits erheblich mehr Chawerim als ihr Boden ernähren kann, sie sind daher garnicht in der Lage, wirtschaftliche Zusicherungen zu geben. Man tut niemandem, am allerwenigsten den Chaluzim etwas Gutes, wenn man diese Tatsachen dauernd verschleiert. Es ist viel besser, den Chaluzim zu sagen, daß sie nach Lage der Dinge noch etwas warten müssen, als sie der unausbleiblichen Enttäuschung in Palästina auszusetzen. Es ist durchaus möglich, daß die Lage sich mit einem Schlage ändert, etwa durch eine überraschende Wendung der Jewish Agency-Verhandlungen oder durch das Gelingen der zionistischen Völkerbundsanleihe, oder auch nur durch neue große privatwirtschaftliche Investitionen. Aber solange diese Chancen nicht gegeben sind, muß unsere Einwanderungspolitik sich im Kähmen der realen Möglichkeiten halten. Das ist der Bruch mit den Traditionen, von dem ich in meinem Artkel sprach. Und die zweite grundsätzliche Aenderung wird darin liegen, daß Arbeitergruppen nicht mehr selbständig Siedlungen oder andere Betriebe gründen dürfen, wenn deren budgetäre Sicherungen nicht vorhanden ist. Wir alle wissen, daß in dem Chaos nach dem Kriege man so gehandelt hat. Es bestand die Theorie, man müsse faits accomplis schaffen, nur dann werde auch das Geld nachkommen. Die Theorie hat sich nicht bewährt. Sie ist die Ursache der Notlage vieler unserer Siedlungen geworden, sie hat unwiderbringliche Opfer an Menschenkraft, Gesundheit und Geld gekostet- Sie ist aber auch — um ein politisches Moment zu betonen, das nach meiner Meinung in den Kreisen der zionistisch-sozialistischen Jugendbewegung stets in ganz falschem Lichte gezeigt wird — die Hauptursache, warum sich die bedauerliche Kampagne gegen die Prinzipien der Arbeiterkolonisation entwickeln konnte. Denn abgesehen davon, daß die ungeklärten materiellen Verhältnisse und die mangelnde Verantwortung für klare wirtschaftliche Erfolge in manchen Gruppen zu starkem Fluktuieren der Mitglieder, zu inneren Kämpfen, und in einzelnen wichtigen Fällen sogar zur inneren Zersetzung geführt haben, boten auch l*lie anderen Siedlungen für den oberflächlichen Beobachter den Schein wirtschaftlichen Mißerfolges; denn das unregelmäßige und verspätete Einlaufen des Budgets macht natürlich geregelte Wirtschaft unmöglich und „Defizite" unvermeidlich. Diese Mißerfolge wurden dann statt auf wirtschaftliche und budgetäre Gründe, auf den sozialistischen Charakter 148

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