Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- Heft 5 (Juli 1928)
- Date
- 1928-07-01
- Page
- Seite 147 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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die man in Wirklichket nicht durchführen kann. In den ersten Jahren nach dem Krieg war diese Methode entschuldbar, weil man damals noch nicht abzuschätzen vermochte, wie hoch die Ergebnisse des Keren Hajessod sein werden. Leider sind sie hinter den Erwartungen zurückgeblieben, daher die prekäre Situation der nach einem viel größeren Zuschnitt begonnenen Arbeiterkoloinisation. Es wäre traurig, wenn wir alle (einschließlich Arbeiterschaft und Hechaluz) aus den Erfahrungen der letzten zehn Jahre nichts gelernt hätten. Wenn ich daher sagte, daß die neue Kolonisation nicht mehr in den Formen der dritten Alijah vor sich gehen kann, so meine ich dabei vor allem die Einwanderungs-Politik und die Budgetpolitik. Wir haben gelernt, daß eine Einwanderung um jeden Preis weder dem Zionismus, noch Palästina, noch dem Hechaluz, noch den einzelnen Menschen nützt. Alle vier werden vielmehr in der schwersten Weise geschädigt, wenn diese verantwortliche Aufgabe Menschen anvertraut wird, die zwar eine ausgezeichnete Gesinnung, aber keinen genügenden Weitblick und kein genügendes Wissen haben. Es ist schon schlimm genug, Einwanderer ins Land zu bringen, für die es weder Ansiedlungsmöglichkeit nach Beschäftigung gibt, und sie dadurch dem Elend, Hunger, Enttäuschung und schließlich Kückwanderung preiszugeben; noch schlimmer aber ist es vielleicht, wenn diese Menschen dann im Lande durch Almosen erhalten werden müssen. Dies ist kein nationaler Aufbau. Abgesehen von dem moralischen und politischen Sehaden, den dieser Zustand verursacht, muß man auch berücksichtigen, daß dadurch große Summen öffentlicher Mittel völlig unproduktiv verschwendet werden, welche zur Ansiedlung hätten verwendet werden können. Nach meiner Meinung ist es eine viel bessere Geldanlage, hundert Familien in Palästina anzusiedeln, sodaß sie nach fünf Jahren sich selbst erhalten können, als zehntausend Menschen ein Jahr lang durch Unterstützungen ein klägliches Leben im Lande zu ermöglichen. Es soll hier niemand ein Vorwurf gemacht werden, denn wir hatten keine Erfahrung und mußten lernen. Aber dasselbe System heute zu wiederholen, wäre ein nationales Verbrechen. Und leider hört man auch heute schon wieder die NEUE ALIJAH, NEUE ARBEIT IN EREZ ISRAEL? MEHR WERBEN, MEHR ARBEITEN IM GALUTH! KEREN KAJEMETH LEJISRAEL 147