Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- Heft 5 (Juli 1928)
- Date
- 1928-07-01
- Page
- Seite 146 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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zu lesen bitte, habe ich dann dargestellt, welche Voraussetzungen nach meiner Meinung erforderlich sind, um zu einer neuen Alijah zu gelangen. Ich glaube, es ist notwendig, daß die Chaluzbewegung: diese Voraussetzungen versteht. Der Hechaluz ist keine bloße Jugendbewegung und die Uebersiedlung nach Palästina als Arbeiter ist, kein Sonntagsausflug, es handelt sich um eine verantwortliche Tat, den Aufbau eines wirklichen neuen Lebens. Der Chaluz muß wissen,, daß ein solches Leben mit bestimmten wirtschaftlichen Tatsachen und materiellen Bedingungen verknüpft ist. Er soll sich nicht damit begnügen, seiner Unlust über das Mißlingen duröh Entrüstung gegen irgendwelche übergeordnete Instanzen Luft zu machen, sondern er soll die Dynamik dieses Prozesses selbst verstehen und in eigener Verantwortung burteilen. Darum hielt ich es für würdiger, über diese Fragen ernsthaft zu sprechen, als in das schon etwas hohl klingende Horn der bei uns üblichen „Kesolutions"-Politik zu stoßen. Ich habe in jenem Artikel erklärt, daß die neue Kolonisation, deren Kommen wir erstreben, „nicht mehr in den Formen der dritten Alijah" vor sich gehen wird und daß man „mit manchen alten Traditionen der Chaluzbewegung brechen" wird. Ohne auf meine sachlichen Argumente auch nur mit einem Worte einzugehen, erklärt Sohattner, diese Auffassung fordere die ganze Chaluz- und Jugendbewegungzum Kampfe heraus. (Nur nebenbei möchte ich bedauernd feststellen, daß Sehattner meine ganz persönlich und unprätenziös zur Diskussion gestellte Meinung dadurcfh herabzusetzen sucht, daß er mir insinuiert, ich spräche im Namen irgendwelcher Auftraggeber. Derartige versteckte Seitenhiebe sind unwürdig.) Das einzige, was Sehattner einwendet, ist, daß ich nicht erst, „das Ergebnis der Fundierung abwarte", ehe ich die Behauptung aufstelle, daß von der gelungenen Fundierung der gegenwärtigen Arbeiterwirtschaften das Schicksal der künftige Arbeiterkolonisation abhängt. Was will Sehattner damit sagen? Den Sinn einer derartigen Einwendung könnte doch nur der sein, daß Sehattner den Erfolg einer Fundierung bezweifelt, d. h. daß er daran zweifelt, daß* auch nach ausreichender materieller Fundierung die Arbeitersiedlungen sich selbst erhalten werden. Ich kann nicht annehmen, daß er wirklich diesen Zweifel ausgerechnet als;ein ^Argument ^der Rechtfertigung der Arbeitermethoden anführen will, daher ist seine ganze Polemik sinnlos. Ich glaube nicht einmal, daß man unbedingt das volle Ergebnis der Fundierung abwarten muß, bevor man mit neuer Kolonisation beginnt. Aber ich glaube, daß, solange unsere Mittel so beschränkt sind, wie dies heute der Fall ist, diese Mittel in erster Eeihe dazu verwandt werden müssen, die bestehenden Siedlungen zu „konsolidieren", d. h. sie dahin zu bringen, daß« sie sich selbst erhalten können. Denn täten wir das nicht und würden wir mit unzureichenden Mitteln neue Siedlungen beginnen, dann müßten sowohl die alten als auch die neuen zugrundegehen, weil die Mittel nicht ausreichen, um für alle zugleich auch nur das: Minimalbudget zu decken. Dies alles ändert sich natürlich sofort, sobald größere Mittel verfügbar sind, und ich habe daher in jenem Artikel auch über die Frage der Mittel gesprochen. Aber solange* der Keren Hajessod und der Kongreß nicht mehr zu vergeben haben als heute, ist es völlig widersinnig, Phantasiesysteme aufzubauen,. 146