Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- Heft 5 (Juli 1928)
- Date
- 1928-07-01
- Page
- Seite 145 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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der Gesamtheit erkannte, sieh heute der Ideologie seiner Klasse beugt. Für uns eine wichtige Lehre. Es genügt uns heute nicht eine gewisse Alijah durchzusetzen, wir müssen erkennen, daß die Arbeiterschaft und die Kreise, die sich um sie gruppieren, die einzigen sind, die die zionistische Bewegung aus der Krise, in die sie durch ihre Kapitulation vor der Psychologie des jüdischen Balbajith hineingeraten ist, befreien können. ROBERT WELTSCH: „ÄM DER SCHWELLE DER FÜMFTEN ÄLiJÄH" Eine Entgegnung. Wenn ich auf die Bemerkungen von Mordechai Schattner im vierten Heft des „Jungen Juden" erwidere, so tue ich es nicht um der Polemik willen, sondern ich benütze die Gelegenheit, um einmal an dieser Stelle über die brennendste zionistische Frage, die vor allem auch die Jugend interessiert, nämlich die Frage des Hechaluz und der Alijah, ein paar offene Worte zu sagen. Leider hat auch im Lager der zionistischen Jugend die politische Leidenschaft so verheerend gewirkt, daß es schwer geworden ist, sich über Tatsachen sachlich auszusprechen, denn es besteht eine spielerische Lust daran, künstliche Parteischranken aufzurichten, indem man sich fingierte Gegner schafft, gegen deren entstellte Ansichten man dann in der richtigen Don Quichote-Pose zu Felde ziehen kann. Hat Herzl vom jüdischen Volk gesagt, daß es durch den gemeinsamen Feind zusammengehalten wird, so scheinen viele zionistische Gruppen oder wenigstens Gruppenführer sich innerlich für so schwach zu halten, daß sie sich einen gemeinsamen Feind, sei es auch innerhalb des zionistischen Lagers, erfinden müssen, um im Kampf gegen diesen ihre eigene Solidität zu bewähren. Man muß freilich sagen, daß unsere palästinensische Arbeiterschaft in diesem Punkte mit schlechtem Beispiel reichlich vorangeht. Menschen, die in Wirklichkeit sachlich der gleichen Meinung sind, werden um politischer oder persönlicher Ziele willen künstlich durch Polemik entzweit. So viel sei nur vorangeschickt, in der Hoffnung, daß die Jugend diese Methoden ablehnt. loh habe anläßlich des zehnjährigen Jubiläums des Hechaluz in der „Jüdischen Kundschau" (Nr. 23) einen Aufsatz veröffentlicht, der den Titel trug „Ein ernstes Wort zum Fest". Es war wirklich so gemeint. Ich sagte dort, es sei der öhaluzbewegung unwürdig, sich durch endlose rhetorische Tiraden verherrlichen zu lassen, in einer Situation, wo ihr jede wirkliche Betätigung genommen ist. Was der Chaluzbewegung not tut und was sie von der Zionistischen Organisation zu fordern ein Eecht hat, sei: wirkliche Hilfe. Ein Gedanke erfülle uns alle: wann wird der Tag der neuen Alijah anbrechen? Im weiteren Verlauf des Artikels, dessen Gedankengang ich hier nicht wiedergeben will und den ich alle Leser dieser Zeitschrift, die sich über die Polemik ein Urteil bilden wollen, selbst 145