Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- Heft 5 (Juli 1928)
- Date
- 1928-07-01
- Page
- Seite 142 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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keine Absiedlung erfolgt, so verlassen viele die Kolonie und suchen Arbeit in der Stadt. Die Erhaltung und der Ausbau unserer Postiion in den Kolonien erfordert darum einen steten Nachstrom junger Elemente; endgültig stabilisiert aber werden die Verhältnisse in den Kolonien erst dann werden, wenn die Errichtung von Arbeitersiedlerstellen, entsprechend den Vorschlägen der Histadruth und Dr. Kuppins tatsächlich durchgeführt wird. Für die Behandlung der Ali j anfrage in diesem Zusammenhange ist aber auch der ständige Ausbau der Pflanzungen in Betracht zu ziehen. So sollen im nächsten Jahre 12.000 Dunam neu bepflanzt werden, was 1500 weiteren Arbeitern Beschäftigung bieten würde (siehe Frumkin a. a. O.). Soviel, was die Landwirtschaft betrifft. Den wichtigsten Faktor am Arbeitsmarkt stellen jedoch heute die großen öfefntlichen Arbeiten dar. Hier empfehlen uns die Gegner einer Alijah, vorläufig abzuwarten und die Bewegungen des Arbeitsmarktes aufmerksam zu beobachten. Abwarten aber bedeutet in diesem Falle Verzichten. Findet die Nachfrage nach Arbeitern am Markte kein Angebot unsererseits vor, dann werden sie zweifellos durch ein Angebot nichtjüdischer Arbeiter ersetzt werden. Die Vorgänge am Arbeitsmarkte haben sich dann eben ohne uns aibgespielt und wir müssen uns dann mit der Rolle des Beobachters zufrieden geben. Frumkin erwähnt, daß das Regierungsprogram m an öffentlichen Arbeiten für die nächsten zwei Jahre Ausgaben in der Höhe von 2 Millionen Pfund voraussieht. Es ist die wichtigste politische Arbeit der zionistischen Organisation, darauf zu drängen, daß eine wachsende Zahl jüdischer Arbeiter bei den Regierungsarbeiten beschäftigt werden. Die Arbeiterschaft stellt die Forderung auf, daß der Prozentsatz jüdischer Arbeiter der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Juden, d. h. ihrer Steuerkraft entspreche. Eine Erfüllung dieser Forderung würde die Zahl der bei der Regierung beschäftigten Juden um 1000 erhöhen, also verdoppeln. Auf diesem Gebiete wurden durch die Initiative der Histadruth bereits größere Erfolge erreicht. Das Arbeitsamt der Histadruth ist auf Grund einer genauen Statistik der von privater und ^öffentlicher Seite geplanten Arbeiten, die sie mit allen Einzelheiten in der Presse veröffentlicht hat, zur Forderung einer Alijah von 3000 Ohaluzim in diesem Jahre gekommen. Wie immer man diese oder jene einjelne Ziffer des Arbeitsamtes der Histadruth beurteilen mag, es steht außer Zweifel, daß die palästinensische Wirtschaft im gegenwärtigen Stadium fähig ist, einige tausend Arbeiter aufzunehmen, ja, daß diese Einwanderung sogar ein wesentliches Erfordernis einer wirklichen Konsolidierung der palästinensischen Wirtschaft bedeutet. Wir müssen es auf das schärfste zurückweisen, wenn immer wieder von vielen Kreisen behauptet wird, daß eine Alijah zwar den Bedürfnissen der Chaluzbewegung entspräche, nicht aber den wirtschaftlichen Erfordernissen des Landes. Die obigen Zahlen beweisen, daß eine Koinzidenz der Interessen des Landes und der Interessen der Ohaluzbewegung vorliegt. 142