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Der junge Jude · 1928-07-01 · Heft 5 (Juli 1928) · p. Seite 143

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Journal
Der junge Jude
Volume
1 (1927-1928)
Issue
Heft 5 (Juli 1928)
Date
1928-07-01
Page
Seite 143 (sequence 9)
Language
German
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Wir wollen nun kurz auch die Bedürfnisse der Chaiuzbewegung in der Galuth behandeln. Weite zionistische Kreise verstehen leider nicht, welche große Gefahren der Chaiuzbewegung drohen. Wir wollen diese Gefahren zuerst an einem Zahlenbeispiel illustrieren. Die Zahl der organiserten Chaluzim außerhalb Eußlands beläuft sich inklusive Heehaluz-Hazair auf 17.000. Von diesen 17.000 befindet sich gegenwärtig nur ein kleiner Bruchteil in landwirtschaftlicher Hachscharah; er dürfte 3000 kaum übersteigen. Dieses krasse Mißverhältnis zwischen der Zahl der Chaluzim überhaupt und der Zahl der aktuell in landwirtschaftlicher Hachscharah stehenden bat mehrere Ursachen. Es ist zum Teil, besonders in Polen, darauf zurückzuführen, daß es schwer fällt, eine genügende Zahl geigneter Hachscharah-Stellen ausfindig zu machen. Von wesentlichem Einfluß ist auch die sehr schlechte ökonomische Position der Chaluzim. Man darf nicht vergessen, daß der Lebensstandard der Chaluzim auf Hachscharah selbst unter dem Lebenstsandard des landwirtschaftlichen Lohnarbeiters, der doch der ausgebeutetste aller Proletarier ist, liegt. Der Lebensstandard während der Hachscharah ist also ein weit tieferer als der des Siedlers in Erez-Israel und ein bedeutend niedrigerer als der des städtischen Arbeiters hier. Eine Erhebung über die Ernährungsverhältnisse in einer realtiv gut situierten cechoslovakischen Ghaluzgruppe, verglichen mit den Ernährungsverhältnissen des Wiener Arbeiters ergab, daß die Ernährung der Chaluzim eine viel mangelhaftere ist. So betrug der Konsum an Eiweißstoffen bloß 20 Prozent des Eiweißkonsums der Wiener Arbeiter, welches Manko nur zum kleinen Teil durch Mehrkonsum von Milch, zum größten Teil aber durch einen Mehrkonsum an Brot und Kartoffeln „kompensiert" wird. Es ist in vielen Fällen ausgeschlossen, daß der Chaluz sich Geld für seine Alijah und Ausrüstung zurücklegen kann. Viel ärger aber noch als die Schwere der ökonomischen Situation sind die seelischen Konflikte, die durch die Alijahsperre hervorgerufen werden. Der Chaluz ist den zahlreichen Konflikten mit dem elterlichen Hause in der Zeit der Alijahsperre weit weniger gewachsen. Er muß sich trotz seiner ökonomischen Lage gegenüber der Gegnerschaft der von Palästina enttäuschten Balbattim verteidigen, wobei ihm der offizielle Zionismus mit der feierlichen Erklärung in den Eücken fällt, daß an eine Alijah nicht zu denken sei. Was Wunder, wenn viele, die nur vorübergehend aus irgend einem der oben angeführten Gründe in der Stadt Arbeit suchten, all diesen Konflikten ausgesetzt, selbst den Glauben an die Chaluziuth verlieren und der Arbeit dauernd entsagen. Das ist die gefährlichste geistige Situation, die die Alijahsperre hervorruft. Eine kontinuierliche Einwanderung, wenn auch in beschränktem Ausmaße, ist auch ein Lebensbedürfnis des Zibbur-Hapoalim, soll die palästinensische Arbeiterschaft nicht die Ueberzeugung gewinnen, daß sie einsam auf verlorenem Posten steht. Die oben angeführten Zahlen zeigen mit erschreckender Klarheit, wie klein die Chaiuzbewegung ist, wie sehr die Chaiuzbewegung intensiviert werden muß, damit bei einer neu entstandenen Wirt- 143

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