Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- Heft 5 (Juli 1928)
- Date
- 1928-07-01
- Page
- Seite 141 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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den Arbeitsmarkt beobachten, und der dritte, der die Frage überhaupt ignoriert. Mit dieser letzteren „Einstellung" wollen wir uns hier nicht näher befassen. Die Auffassung, daß die Alijah nicht unbeschränkt, sondern geregelt, sofort wieder aufgenommen werden soll, wird einerseits von den Arbeiterparteien, ferner von den Radikalen und Revisionisten, von einem großen Teil des Misraehi und einem kleinen Teil der allgemeinen Zionisten vertreten, ferner ist — und das ist das Bedeutasmste — der gesamte Jischuw für die Wiederaufnahme der Alijah. Beweis hierfür ist die große Protestversammlung gegen die Alijahsperre in Tel Awiw, bei der neben den Vertretern der Arbeiterparteien auch der Vertreter des Misraehi und auch die beiden Vertreter der radikal-bürgerlichen miflagah-esrachith leumith Disengoff und Suprasky sprachen. Schon der Umstand allein, daß der gesamte Jischuw, dem doch die Lage im Lande nicht unbekannt ist, ohne Unterschied der Partei für eine Alijah ist, verleiht dieser Anschauung ein besonderes Gewicht. Gegen eine Wiederaufnahme der Alij ah und für Beschränkung auf eine Beobachtung des Arbeitsmarktes ist die Palästina- Exekutive, ein Teil der Amerikaner, soweit diese überhaupt zum Problem Stellung nehmen, und ein Teil der allgemeinen Zionisten. Eine ihrer Thesen lautet: keine Neueinwanderung, so lange die Arbeitslosigkeit nicht beseitigt ist. Dieses ist nun gegenwärtig allerdings noch nicht der Fall. Nach einer Zählung des Arbeitsamtes der Histadruth waren in der zweiten Maihälfte noch 1459 Arbeitslose, wovon aber im Laufe eines Monates 800 beschäftigt wurden, so daß ein Rest von 650 Arbeitslosen verbleibt. In der palästinensischen Landwirtschaft herrscht seit längerer Zeit ein fühlbarer Menschenmangel. In den Kwuzoth und Arbeiterinnen-Wirtschaften allein werden dringend etwa 200 Arbeiter benötigt. Der Arbeitermangel hier ist einesteils darauf zurückzuführen, daß in den Kwuzoth ein natürlicher Abgang von Menschen besteht, der in der Zeit einer Alijahsperre nicht kompensiert wird, andererseits ist er auf die Intensivierung der Wirtschaften zurückzuführen. Durch die aus den Mitteln der K. K. L.-Anleihe durchzuführenden Bau- und Meliorationsarbeiten werden außer den bisher beschäftigten weitere 500 Arbeiter beschäftigt werden (siehe Frumkin im Dawar vom 29. Mai), wobei wir vorläufig noch außer acht lassen, daß durch diese Arbeiten die Betriebe intensiviert werden und so einer anwachsenden Anzahl von Menschen Arbeit und Unterhalt bieten werden. Noch wichtiger aber ist die Neueinwanderung für die Erhaltung unserer Position in den alten Kolonien. Hier ist die Zahl der beschäftigten jüdischen Arbeiter in den letzten zwei Jahren unbedingt zurückgegangen und stieg erst wieder in der allerletzten Zeit durch die besonderen Anstrengungen der Histadruth. Diese Erscheinung ist leicht zu erklären. Der Lebensstandard des Arbeiters in der Moschawah ist ein so niedriger, daß er auf die Dauer vom jüdischen Arbeiter nicht ertragen werden kann. Der jüdische Arbeiter nimmt die Arbeit auf dieser niedrigen Lebensstufe bloß aus nationalem Verantwortungsgefühl für einige Jahre auf sich, wenn aber auch dann, infolge des Mangels einer zionistischen Kolonisation, 141