Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- Heft 5 (Juli 1928)
- Date
- 1928-07-01
- Page
- Seite 139 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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liehen Bedürfnisse des Landes. Kolonisation: es sollen keine neuen Kolonien gegründet werden, solange nicht usw. usw. im alten Stil. Industrie: platonische Glückwünsche, doch nichts Eeales für Kreditinvestierung. Erziehung: keine prinzipielle Stellungnahme über die Notwendigkeit einer hebräischen Kulturarbeit. Nur für Orangenbau und für jene Fragen, für die Lord Melchett eine „besondere Schwäche" hat (wie z. B. chemische Düngemittel und Ausbau von Hotels), gibt es auch für die Jewish Agency ein: raffe Dich auf und handle. Sind auch die Gebote armselig, so sind doch die Verbote vielfältig. Ist es da zu verwundern, daß diese Grundsätze sieh gegen die Arbeiterschaft und ihr Werk und gegen die volkstümlichen örundlagen der zionistischen Bewegung richten? NeueKwuzoth sind nicht erwünscht. Die Verträge mit den Siedlern sollen ohne Einmischung anderer Körperschaften unterzeichnet werden. Beträchtliche Gewinne von investiertem Kapital sind der Erhöhung des Lebensniveaus der Arbeiter vorzuziehen, und scließlieh ist es erwünscht, daß die Siedler allein Eigentümer des Bodens sein sollen. Damit stellen die Experten und die üntersuchungskommission fest, daß die Kwuzah Kinereth in ihrer Wirtschaftlichkeit und ihrer Energie der Kolonie Kinereth und Kwuzah Daganiah dem benachbarten Milchamiah nicht gleichwertig sind. Sie stellen fest, daß bei einer jüdischen Einwanderung und beim Aufbau des Landes die „beträchtlichen Gewinne" dem Standard of life der Arbeiter voranzugehen haben. (Daß man für die Verwurzelung der jüdischen Arbeit in den Unternehmungen der bemittelten Einwanderer sorgen muß und Bedingungen schaffen muß für die Existenz des Arbeiters in den bewässerbaren Wirtschaften, darüber machen sich die Experten keine Gedanken.) Sie wissen vielmehr, daß der jüdischen Kolonisation im Lande nicht durch Bodenspekulation, sondern durch den nationalen Boden Gefahr droht. Wie groß auch immer die ökonomische und nationale Verlogenheit dieser „Verkündigungen" sei: man braucht sich nicht zu wundern über die Herren der Untersuchungskommission. Warum soll Mond für nationalen Boden und selbständige Arbeiterwirtschaften sein? Seine Haltung zum Keren Kajemeth haben wir kennengelernt, als er im Lande war und als gewisse Journalisten viel Lärm um ihn machten. Warum soll Marshall, der Vormund der gesamten jüdischen Philantropie sich nun auch der Vormundschaft über Kolonisationsformen im Lande entziehen? Das Beleidigende an dieser Sache, die jeden mit brennendem Schmerz erfüllt, ist, daß dieses die Genehmigung des Präsidenten der zionistischen Organisation, Chaim Weizmann, gefunden hat. Nicht deshalb ist der Präsident zu beschuldigen, daß er geglaubt hat, daß die erweiterte Agency große Dinge im Aufbau vollbringen werde, und in diesem Glauben enttäuscht wurde, und daß diese Sache sich nun in Kleinigkeiten verläuft. Es ist nicht seine Schuld, daß die erbetenen Compagnons großen Dingen in ihrer Welt nachgehen und zu Kleinlichkeitsmenschen werden, wenn es sich um. Erez Israel handelt. Sein Verschulden liegt darin, daß er sich diesem schwächlichen Willen, diesen nichtssagenden Verpflichtun- 139