Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- Heft 5 (Juli 1928)
- Date
- 1928-07-01
- Page
- Seite 138 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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koinmission für das jüdische Werk keine neuen Mittel geschaffen, aber sie gefiel sich darin, uns ein Konglomerat von Meinungen vorzusetzen. Dieses Konglomerat hat man allerdings in Duiikelkammern gehalten, damit ihm eine öffentliche Auseinandersetzung nicht etwa schaden könne. Aber die Fachleute für Kulissenangelegenheiten waren über seihe Zusammensetzung unterrichtet und von Zeit zu Zeit verkündeten sie, daß „das Gerichtsverfahren eingeleitet ist". Handelt es sich doch um jene Kommission, die von vornherein so zusammengesetzt wurde, daß m ihr Menschen, wie Grimshaw, Champweil, Blum und Vandervelde „unmöglich" waren, um eine Kommission, die im Lande von vornherein dem Einfluß verschiedener „Freunde" unterlag. Handelt es sich doch um eine Kommission, die sich von vornherein berufen fühlte, über die besiegte Vergangenheit des Zionismus im Lande ein Urteil zu fällen, und aus deren Mitte jener große Fachmann eine Aufforderung zu einer Unterredung mit der Leitung der landwirtschaftlichen Arbeiterorganisation dahin beantwortet hat: wir sind durch Welten getrennt und werden uns nicht verständigen können. Und dieser Bericht gastrollenspielender Fachleute, die sich mit der Erörterung technischer Dinge nicht begnügen wollten, um sich über soziologische Fragen eines ihnen fremden Volkes, eines ihnen unverständlichen Typus und mit unbekannten sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen beschäftigen zu können, sie sind es, die von vornherein die Ergebnisse der Expertenkommission bestimmten. Bei solcher Sachlage dürfen wir nicht den Wert jener richtigen und positiven Dinge, die in die Schlußfolgerungen hineingekommen sind, verkennen. Wir verzeichnen mit gewisser Genugtuung, daß die Stellung der Mandatarmacht gegenüber eine ernsthafte Haltung freier Menschen bekundet, und daß die hier formulierten Forderungen an die Regierung (von denen Dr. Ruppin seit geraumer Zeit einige erhoben hat) bei weitem den Stil der ärmlichen zionistischen Dokumente übertreffen. Ebenso liegt ein Wert in der platonischen Erklärung, daß „eine Möglichkeit vorhanden sei, 33.000 neue Wirtschaften mit Bewässerung und 50.000 ohne Bewässerung zu schaffen". Zwar ist mit einem „Wort" keine Wirtschaft zu schaffen, aber diese Erklärung ist ein Bekenntnis, daß 500.000 Menschen in der Landwirtschaft und um sie herum, außerdem noch eine Million Platz finden werden, abgesehen von den Möglichkeiten, die die Entwicklung der Industrie und des Handels bringen können. Dieses Bekenntnis aus dem Munde fremder Fachleute, die zionistischer Utopien nicht verdächtig sind und umgekehrt mehr zur Verkleinerung eines großzügigen Zionismus hinneigen, enthält gewissermaßen eine Antwort an Minimalisten aller Art im Zionismus und außerhalb. Dieses Bekenntnis hat, wie die politischen Forderungen eine gewisse deklarative Bedeutung. Aber wie arm sind sie an realem Wert, wenn im Anschluß an sie jene hohen Maximen folgen, deren Quintessenz heißt: setze Dich nieder und warte ab. Die erste Aufforderung richtet sich auf alle Zweige der zionistischen Tätigkeit: Immigration — nach der richtigen „Bilanz" der wirtschaft- 138