Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- Heft 1 (November 1927)
- Date
- 1927-11-01
- Page
- Seite 38 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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Rahmenorganisation der zionistischen Jugend wird er die Autorität und die Möglichkeit haben, auf die zionistische Bewegung im Sinne einer stärkeren Unterstützung der Jugendbewegung einzuwirken. — Wieviel von diesen Plänen verwirklicht wird, wird die Zukunft lehren. Es ist zum großen Teil eine finanzielle Frage, was immer und immer wieder betont werden muß. Das Erfreulichste an dieser Moazah, war der klare Wille aller Beteiligten zur Zusammenarbeit und die Tatsache,, daß die chaluzische Jugendbewegung diese Jahre der Krise mit einer Stärkung sowohl an Zahl (bei der vorigen Konferenz waren bloß 32000 im „Brith-Hanoar") als auch in ihrem gesamten Erziehungswerk beantwortete. ploni almoni. DIE LIEHRSIEDLUNG DES DEUTSCHEN HECHALUZ Die Frage der Lehrsiedlung ist im deutschen Hechaluz nicht neu. Daß sie jetzt so aktuell geworden ist, liegt an den Zeitumständen. Die Lehrsiedlung hat sich in der Chaluzbewegung in allen Ländern bewährt und eingebürgert. Deutschland und Oesterreich sind heute die einzigen Landesverbände der Chaluz-Organisation, die keine Lehrsiedlung haben. (Oesterreich steht vor der Schaffung einer solchen Siedlung.) Ich habe an einer anderen Stelle (siehe Blätter des Hechaluz Nr. 3, Bericht über die landwirtschaftliche Hachscharah-P'gischah) auf die verschiedenen Schwierigkeiten fachlicher, kultureller und finanzieller Art hingewiesen, mit denen eine solche Siedlung zu rechnen hat. Scheiden wir die Frage der Bereitstellung des Gründungskapitals aus, so wird es im wesentlichen von der Leitung der Siedlung und der Siedlungsgruppe abhängen, ob unsere Siedlung ihren Aufgaben gerecht wird. Der Plan geht dahin, eine Lehrsiedlung in Form eines gemischtlandwirtschaftlichen Betriebes zu errichten, mittels Kauf- oder Pacht einer bestehenden Wirtschaft, mit einem dauernden Beschäftigungsgrad von 20—25 Chawerim und Chaweroth, möglichst in einer Gegend gelegen, die weitere größere Ausbildungsmöglichkeiten in Bauernbetrieben gibt. Welche Chancen bietet uns eine solche Siedlung? Der in ihr arbeitende ältere Chawer wird Gelegenheit haben, außer seiner tagtäglichen Arbeit, auch in die Fragen der Betriebsleitung und der Kalkulation einzudringen — was ihm bei der bisherigen Hachscharah im Bauernbetriebe gewöhnlich nicht möglich war. Der jüngere Chawer, der neu in die Hachscharah kommt, wird in eine ganz andere Atmosphäre hineinkommen, als er sie beim Bauern vorfindet. Wir wissen, wie schwer es unsere 16—17 jährigen Chawerim oft fertigbringen, außer der Anpassung an die physische Arbeit, die ja auch in der Siedlung stattfinden müßte, sich noch oft an die Mentalität der Bauern „anzupassen". Die Siedlung, die koscher geführt würde, bietet uns auch die Möglichkeit Chawerim, die heute keine koscheren Stellen finden, unterzubringen. In dieser Beziehung hat ja das jüdische Lehrgut Rodges bei Fulda, das allerdings nicht dem Hechaluz gehört, große Abhilfe geschaffen. Die Entwicklung des Lehrgutes in Rodges in dieser kurzen Zeit seines Bestehens kann uns auch sonst in unserem Vorhaben bestärken. Jugend- und Chaluzbewegung in Deutschland brauchen heute mehr denn je einen geistigen Konzentrationspunkt. Diese Funktion hat seinerzeit das Chaluzzentrum Wolfenbüttel erfüllt und erfüllt jetzt zum Teil der Kibbuz Cheruth in Hameln. Es ist klar, daß eine Lehrsiedlung viel mehr Möglichkeiten für die Schaffung eines geistigen Lebens bietet, das beispielgebend auf die ganze Bewegung wirken könnte, als es in den bisherigen Hachscharahformen möglich war. Würde doch die Hebraisierung einer solchen Siedlung, die bei geeig- 38