Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- Heft 1 (November 1927)
- Date
- 1927-11-01
- Page
- Seite 34 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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Än der Konferenz nahmen Delegierte aus fast allen europäischen Ländern teil, mit Ausnahme der russischen Hechaluz-Organisation, deren Vertretern die Sowjetregierung die Ausreiseerlaubnis verweigerte, außerdem die Chawerim Berl Kaznelsohn, Szkolnik und Mereminski als Vertreter der Arbeiterorganisation Palästinas, als Gäste u. a. Meir Jaari (Kibuz Haschomer-Hazair), Benari (Kibuz-Ain-Charod) und Ada Fischmann (Tel-Awiw). Die Konferenz war eine Konferenz der Bilanz. — Die Zeit der vierten Aiijah brachte auch der Hechaluz-Bewegung einen Zuwachs von vielen Menschen, die aber bei der eintretenden Verschlechterung der Lage im Lande die Bewegung wieder verließen. Dieselbe Erscheinung in fast allen Ländern. Doch diese Verluste — so sehr sie auch psychologisch und organisatorisch auf der Bewegung lasteten — konnten den gesunden „Kern nicht vernichten. Seit zirka 8 Monaten ist die Lage in fast allen Ländern zahlenmäßig stabilisiert, in manchen ist sogar ein zahlenmäßiger Aufstieg zu merken. Wichtiger noch als dies erscheint die unverkennbare Tatsache der inneren gedanklichen Festigung der Bewegung in ihrem Kampfe mit den Folgeerscheinungen der Krise. — Vier Fragenkomplexe, die eng miteinander zusammenhängen und in verschiedenen Teilen sehr schwer voneinander abgegrenzt werden können, beschäftigten die Konferenz: Aiijah, Hachscharah,, Jugendbewegung und Kulturarbeit, — Trotz der gegenwärtigen Stabilisierung drohen der Bewegung sehr große Gefahren, wenn die Alijah-Sperre fortgesetzt wird. Von den 18 000 Chawerim, «die der „Hechaluz" jetzt umfaßt, warten einige Tausend mit mehrjähriger Hachscharah auf Aiijah. Die Aiijah war das lebendige Band, das die Bewegung in der Galuth mit dem Lande verband. Die Berichte aus den verschiedenen Ländern, aus Rußland und Deutschland, aus Rumänien und Lettland, aus Polen und Oesterreich begannen immer mit derselben Forderung, fast könnte man sagen mit dem Hilferuf: Aiijah, Aiijah. Der Konferenz war es klar, daß in der gegenwärtigen Arbeitslosigkeit im Lande eine Aiijah nur dann gefordert werden kann, wen sie zu einer Erweiterung des jüdischen Arbeitsmarktes in den „Moschawoth" (alten Kolonien) dient und zu diesem Zwecke als Alijah- Kibuzith organisiert wird. Der Bericht des Weltmerkas führte die verschiedenen Aktionen an, die mit größter Energie durchgeführt wurden, um eine Aiijah, wenn auch in geringem Ausmaße, zu erreichen. Der Kongreß hat einen diesbezüglichen Beschluß angenommen. Wird die neue zionistische Exekutive sich an diesem Beschluß halten? — Die Zeit des Stillstandes in der Aiijah war eine Zeit der Entwicklung auf dem Gebiete der Hachscharah. Die landwirtschaftlichen Lehrfarmen, die der „Hechaluz" in verschiedenen Ländern besitzt (Rumänien, Polen, Litauen, Lettland, Rußland, Tschecho-Slovakei) wurden ausgebaut, einige neu gegründet. Die Form der „Hachscharah-Kibuzith", bei der der landwirtschaftliche Kibuz die Erziehungsfunktion der Gruppe im Jugendbunde hat, ist heute fast überall die allgemein gültige. In Polen z. B. entwickelten sich manche solcher Hachscharah-Kibuzim zur festen Lebensgemeinschaft. Auch in Handwerkerschulen gelang es Chaluzim unterzubringen, während man davon Abstand nahm, handwerkliche Werkstätten in eigener Regie neu zu errichten. Auch im Bewußtsein der Chawerim dringt die Erkenntnis der Notwendigkeit einer guten fachlichen Ausbildung immer mehr durch. Während im Westen (Deutschland, Tschecho-Slovakei, Oesterreich, Holland und Frankreich) gute Möglichkeiten für eine solche fachliche Ausbildung gegeben sind, leidet die Bewegung im Osten ungeheuer an der Disproportion zwischen Stellennachfrage und Stellenangebot. Der kleine und mittlere Bauer im Osten führt seine Wirtschaft außerordentlich primitiv und bedarf gewöhnlich keiner zusätzlichen 34