Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- Heft 1 (November 1927)
- Date
- 1927-11-01
- Page
- Seite 33 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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Geltungswille auf anderen Gebieten als dortr wo eine bestimmte Leistung nicht erreicht werden kann, durchzusetzen versucht oder gerade auf dem Wege der Ueberkompensation noch da Leistungen hervorzubringen sucht, wo gerade ein besonderes Manko der Leistungsfähigkeit vorliegt. Bei der Durchsetzung des Geltungswillens kommt es darauf an, ob er auf der nützlichen oder unnützen Seite des Lebens ansetzt, ob der einzelne Mensch sich durch soziales oder antisoziales Verhalten Geltung verschaffen will. Die Aufgabe der Pädagogik bei der Freiheitsgewinnung ist es, die Ursachen der Entstehung von Minderwertigkeitsgefühlen zu erkennen und den Geltungswillen des Kindes auf die nützliche Seite des Lebens zu lenken. Die pädagogische Bedeutung gerade der Individualpsychologie, die gerade jetzt besonders anerkannt wird, liegt darin, daß sie mit einem sehr geschärften Blick die Entstehungsursachen von Verkrampfungen und Störungen erkennt, und aus deren Erkenntnis zur Befreiung des Kindes kommt. Hervorzuheben gerade für die Jugendbewgung sind einige Aeußerungen, die Gustav Wyneken in einer Arbeitsgemeinschaft über neue Schulversuche, insbesondere über Landerziehungsheime in bezug auf das Freiheitsproblem getan hat. Er stellte zuerst fest, daß das Jugendalter in bezug auf kulturelle Leistungen niemals produktiv, sondern immer nur höchstens reproduktiv sei. Die Freiheit, die die moderne Pädagogik gewähre, sei keine echte, sondern nur eine scheinbare Freiheit, und könne es auch nicht anders sein. Freiheit gewähren könne immer nur der Starke, der Führer, der sicher ist, daß gerade durch die Gewährung der Freiheit sein Wille vollzogen werde. Derjenige, der nicht stark ist, könne es nicht darauf ankommen lassen, Freiheit zu gewähren, denn die Freigewordenen würden dann über den schwachen Führer hinweggehen. Die jüdischen Konferenzteilnehmer waren An Zahl im Verhältnis zur Gesamtheit sehr gering. Immerhin ist eine Ausstellung des jüdischen Schulwerkesin Polen hervorhebenswert, die auf der Konferenz sehr große Beachtung fand~ Es waren dort eine ganze Reihe von Schülerzeichnungen vorhanden, die bewiesen haben,, daß nunmehr auch die jüdischen Kinder des Ostens Form und Farbe sehen lernen. Eine kleine Zusammenkunft vereinigte für kurze Zeit eine Anzahl der jüdischen Konferenzteilnehmer, um einen Bericht über das palästinensische Schulwerk entgegenzunehmen. Später hörte ich, daß dieser Bericht, der dann mündlich in weitere Kreise drang, auf die Konferenzteilnehmer deshalb einen so starken Eindruck gemacht hat, weil hier offenbar wurde,, wie der sehr schwere Kämpf um die neuen gesellschaftlichen Formen in Palästina mit Selbstverständlichkeit auch neue Formen des Schulwesens hervorbringt und daß sich hieraus diejenigen pädagogischen Forderungen, besonders der Arbeits- und Gemeinschaftsschule verwirklichen, um die man in Ländern mit einer stabileren Gesellschaft aufs. schwerste zu ringen hat. Wir sind uns nicht darüber klar, welches praktische Ergebnis die Konferenz haben wird. Sicher ist, daß sie für alle diejenigen, die an ihr teilgenommen haben, voll von Anregungen und reich an menschlich schönem Erleben gewesen ist. Georg Lubinski. DIE KONFERENZ DES „WELT- HECHALUZ" IN DANZIG Danzig, die Stadt der schönen Kanäle und Lagerhäuser, jetzt Brennpunkt eines zähen erbitterten Kampfes zwischen Polen und Deutschen, beherbergte dies Jahr wieder die „Hechaluz"-Konferenz. Diese Konferenz war nicht ein „Fest der Jugend" mit Sang und Spiel, zu dem jüdische Jugend aus den verschiedenen Ländern Europas zusammenkam, sondern eine ernste Beratung miteinander und mit den Vertretern, die die Arbeiterschaft Erez-Israels zur Konferenz entsandte. — 3$