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Der junge Jude · 1927-11-01 · Heft 1 (November 1927) · p. Seite 31

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Journal
Der junge Jude
Volume
1 (1927-1928)
Issue
Heft 1 (November 1927)
Date
1927-11-01
Page
Seite 31 (sequence 33)
Language
German
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UMSCHAU KONFERENZ DES INTERNATIO¬ NALEN ARBEITSKREISES FÜR ERNEUERUNG DER ERZIEHUNG IN LOCARNO Die Konferenz, die fast den halben Monat August in Locarno versammelt war und von ungefähr 1100 Menschen aus allen Teilen der Welt besucht war, wird immer als etwas besonders Schönes in der Erinnerung bleiben. Für denjenigen, der aus der Arbeit und Unruhe des Lebens nach Locarno kam, war der stärkste Eindruck die Sonne und die Landschaft: aus dem Leben hier ins unmittelbarste und hellste Licht entlassen, einer großartigen Landschaft gegenüber, mit dem Lago Maggiore, Bergen und den dort schon heimischen Pflanzen des Südens. Diese freundliche und bezaubernde Luft stand immer um die Konferenz, jeden Augenblick lokkend, von der Pädagogik in die Natur zu entfliehen. Und aus den Eindrücken eines Menschen, der dieser Lockung oft und oft gefolgt ist, sei hier etwas von dieser Konferenz erzählt. Zunächst etwas von der Zusammensetzung: Es waren teils Delegierte von Staaten oder anderen großen Organisationen, zum größten Teil aber Menschen, die nur sich selbst vertraten und aus Liebe zur Sache gekommen waren. Die Konferenz war von Deutschen und Engländern, beherrscht, mit etwa 300 Teilnehmern aus deutschsprechenden Ländern bildeten die Deutschen fast ein Drittel der Konferenz, daneben war aber der Einfluß der Engländer und Amerikaner sehr stark, während aus dem räumlich nahen Frankreich und Italien eine nur geringe Beteiligung zu verzeichnen war. Das ist nicht zufällig: in Frankreich gibt es auch heute noch ein sehr unmodernes Schulwesen, in dem Italien des Faschismus scheint der Freiheitsgedanke, dem die Konferenz gewidmet war, heute nicht die genügende Resonnanz zu finden. Die kleineren Nationen waren dagegen auch ziemlich zahlreich vertreten. — Die Konferenz hat keine verpflichtende Beschlüsse gefaßt. Die Ergebnisse der Diskussionen wurden auch nicht in Resolutionen formuliert. Ich hatte manchmal den Eindruck, als ob die Art zu denken, die Auswahl der wichtig genommenen Gegenstände bei den einzelnen Nationen so voneinander verschieden wären, daß selbst, wenn alle dieselbe Sprache sprächen, sie sich dennoch nicht völlig verstehen könnten. Besonders das, was die Deutschen zu sagen hatten, schien mir von den Vertretern der anderen Völker nur sehr schwer verstanden zu werden. Dem vollen Verständnis stand entgegen* daß andere nicht in der Richtung denken und auch nicht auf die Weise denken wie die stark abstrahierenden Deutschen, daß diese oftmals aus einem Bedürfnis der Theorie Zusammenhänge aufdecken zu müssen glaubten, die den anderen wegen der Beziehungslosigkeit der Fragen mit den zur Verhandlung stehenden Gegenständen uninteressant schienen. Diese Unterschiede traten naturgemäß am stärksten an der verschiedenen Anlegung der Referate hervor, sie verwischten sich innerhalb der großen Zahl kleiner Arbeitsgemeinschaften, in denen der vorher fest bestimmte Verhandlungsgegenstand, der Wille, praktische Ergebnisse zu erzielen, die relative Kleinheit des Zuhörerkreises eine schnellere Konzentrierung auf die eigentliche Sache möglich machten. — Ihrer sozialen Stellung nach gehörte die überwiegende Mehrzahl der Teilnehmer dem Bürgertum an, ein Teil der deutschen Mitglieder der Konferenz gehörte der Jugendbewegung an. Das Thema der Konferenz war: der Sinn der Freiheit in der Erziehung. Es mag als ein sehr interessantes Symptom der pädaogischen Bewegung gewertet werden, daß sie in einem bestimmten 31

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