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Der junge Jude · 1927-11-01 · Heft 1 (November 1927) · p. Seite 25

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Journal
Der junge Jude
Volume
1 (1927-1928)
Issue
Heft 1 (November 1927)
Date
1927-11-01
Page
Seite 25 (sequence 27)
Language
German
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Ist das wirklich das Glück? Das Glück, das Myriaden von Menschen? erträumen, nach dem sie die Hände ausstrecken und um dessentwillen einer den anderen niedertritt? Jat es ist's . . Und wie leicht, ohne Opfer, war es in ihr Leben getreten! Ist's möglich? Wird es auch morgen, übermorgen noch sein? Am selben Abend, nach neunzig liedlosen Abenden, sang Jsrael, als sie auf der Tenne waren. Seine Stimme war nicht mehr wie gestern und ehegestern; neue Töne, siebenfach süß und tief, siebenfach klar und hell.— Und Hadassah erschauerte, als ob man sie vom Schlafe geweckt hätte, diesen Tönen entgegen. Nebel Uri schwieg diesen Abend beim Klang ihres Liedes, indem er rücklings in einiger Entfernung auf der Tenne lag, die Hände unter seinem Kopf, die Augen geschlossen- Ein Lied löste das andere ab, ein Gesang strömte nach dem anderen, eine Melodie schwebte wortlos der anderen zu. So hatten sie noch nie gesungen. Als ob die Tempel des Gesangs ihre Fenster weit, geöffnet hätten und ihre durchsichtigen Ströme herabflössen, die dort im Verborgenen und in der Stille der Dämmerung aufgefangen werden. Es schien Uri, daß ein mächtiger Wasserschwall sich in tausend und abertausend Rinnsale zersplitterte und sie das ganze lechzende All tränken und laben und eine unsichtbare Pflugschar ihnen den Weg öffnet und schließt . . Und manchmal strömt alles hemmungslos dahin, und sieh — ein endloses Meer, und im Meere des Gesanges steuerte das Schifflein Jsraels und Hadassahs, das seine Segel nur für sie breitet. Und Uri sieht sich selbst wie hinter einer Wand; einsam inmitten4 der Wellen des Meeres, die ihn nicht kennen, fährt er verlassen und abgetrieben ihrem sich entfernenden Schifflein nach — So sieghaft schien ihm ihr Lied! . . Bei einem der neuen Lieder irrte Hadassah und bat, daß Jsrael sie führen möchte: „Gib mir den Ton" ... — War etwas Besonderes in der Artikulation ihrer Worte, im Klang ihrer Stimme? Es war, es war! Von ihm, Uri, hatte sie noch nie etwas mit diesem Erschauern gebeten . . Und wozu sollte sie auch verlangen, was er ihr nicht geben kann, niemals geben kann! — Sie braucht eine „Stimme", eine Stimme, die das Ohr hört, das wirkliche Ohr; einen Ausdruck körperlicher Lippen, den blutströmenden, zitternden, hervorbrechenden Klang des Lebens! . . Eine Frau ist sie ja . . „Komm her, Uri! Was tust du dort?" rief ihm plötzlich Hadassah zu. — „Mir ist es auch hier gut." Fremd und sonderbar klangen die Worte im Schweigen der Nacht! . . Schon war Hadassah vor ihm auf den Knieen, beugte sich herab und küßte ihn leise. Einmal, zweimal küßte sie ihn und sah mit prüfendem Blick ihm gerade in die Augen, tief, tief in seine Seele: „Was hast du, Uri? Ist mein Singen nicht für dich? Warum bist du nicht glücklich mit mir, mit uns?" Sie blickte ihn noch immer 25

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